Man kann so viel offen zur Schau gestellte Naivität natürlich fast schon entwaffnend finden. Songtitel wie "Birds" und "Oceans", "Come Home" und "Walking Home" sowie "Daydreaming" künden ja quasi von einem hippiesken Ausstieg, einem Zurück zur Natur, einem (Wieder-)Ankommen bei sich selbst. Und ja, We Are Serenades liefern auf ihrem Debüt "Criminal Heaven" den entsprechend ansprechenden Indie-Pop-Sound dazu. Aber nicht nur, wenn man weiß, dass sich hinter diesem Duo die alten Schweden-Hasen Adam Olenius (Shout Out Louds) und Markus Krunegård (Laakso) verstecken, darf man sich fragen, ob dieses Album nicht manchmal etwas zu blauäugig-sehnsüchtig in all seiner Schwelgerei ist.
Um das klarzustellen: Die zehn Songs, die Olenius und Krunegård für dieses Projekt zusammenbastelten, sind ausnahmslos von ausnehmender Schönheit. Der Opener "All The Words" etwa: Da harmonieren die ätherischen Stimmen der beiden Schweden mit einer pastoralen, ja fast sakralen Unantastbarkeit. Ein einfacher Basslauf, sanfte Drums, ein feines Synthie-Break und massig zusätzliche Gesangspuren dazu: Fertig ist wunderbar schwereloser Bombast-Pop à la The Flaming Lips. Das darauffolgende "Birds" addiert noch Streicher zu diesem Mix, funktioniert ebenfalls bestens.
Aber: Gefährlich wird's, wenn sich melancholische Untertöne unter die Songs mischen. Wie in "Come Home" etwa: "I don't wanna hear another christmas song / About love when I'm on my own" heißt es da, dazu klingeln die Glöckchen wie einst beim 80er-Charity-Klassiker "Do They Know It's Christmas Time". Plötzlich ist all die Schwerelosigkeit weg, kippt in naives Selbstmitleid um. Ähnlich verhält es sich mit "Criminal Heaven": Der fast schon schunkelnde Wald-und-Wiesen-Folk-Song besitzt eine unterschwellige Wehleidigkeit, die eher nervt als anrührt. Und wer den beiden Schweden daraufhin ganz böse sein will, für den klingt "Earthquakes" ein bisschen wie Enyas Eso-Schlager "Only Time" in Indie-Pop.
Also alles naiver, gefühlsduseliger Hippie-Quark? Nein. Aber ein wenig wünscht man sich, dass an der einen oder anderen Stelle eine verzerrte oder wenigstens verstärkte Gitarre die beiden Hans-guck-in-die-Luft-Schweden auf die Erde zurückholen würde. Können ja beide in ihren jeweiligen Hauptbands. So aber bleibt das Album zerrissen: zwischen schön hingebungsvoller und zu sentimentaler Naivität.
We Are Serenades auf Deutschland-Tournee:
30.05., Köln, Luxor
31.05., Berlin, Lido
01.06., München, Atomic Café
Stefan Weber
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | überzeugend |
| CD-Titel | Criminal Heaven |
| Bandname/Interpret | We Are Serenades |
| Genre | Rock/Pop |
| Erhältlich ab | 18.05.2012 |
| Label | Interscope |
| Vertrieb | Universal |
| Laufzeit | 33:20 |
| EAN Code | 0602537002139 |

