Musik / CD

Beach Boys: That's Why God Made The RadioDer Traum lebt weiter

Sonne. Endlose Strände. Die Brandung der Wellen. Kalifornische Mädchen. Schnelle Autos. Und natürlich ein Surfbrett. Es ist ein amerikanischer Traum, vielleicht sogar der amerikanische Traum, den die Beach Boys einst besangen. Mit jungenhafter Unschuld, mit geradezu göttlich harmonierenden Stimmen. Und auch wenn Mastermind Brian Wilson eigentlich schon mit dem Meisterwerk "Pet Sounds" (1966) die ewig gleichen Bilder von Sonne, Mädchen und Autos im Sand begraben wollte, der Traum lebte dennoch weiter. Er spricht auch heute noch - zumindest teilweise - aus Wilsons Kompositionen auf "That's Why God Made The Radio".

Die Vorzeichen ließen durchaus berechtigte Zweifel aufkommen, ob dieses Comeback Sinn macht. Wer Brian Wilson in den letzten Jahren solo auf Tournee sah, durfte bereits ernüchtert sein: Leider merkt man dem Kreativkopf der Beach Boys seine tragische Krankheitsgeschichte (Drogen, falsche Therapien, Schizophrenie-Diagnose) immer noch an. Und seine Kollegen? Nun, auch wenn der genialische Wilson meist Songwriter-Credits erntete, die Band eigentlich nie ganz von der Bildfläche verschwand: Der Beach-Boys-Output der letzten - sagen wir - 35 Jahre ist vernachlässigenswert.

Warum nun das Comeback? Wahrscheinlich war es ein Traum. Ein letztes Album zu veröffentlichen, um das miese "Summer In Paradise" (1992) nicht als Schlusspunkt der Beach-Boys-Diskografie enden zu lassen. Um das 50-jährige Bandbestehen nicht nur auf Tour gebührend zu feiern. Und um Brian Wilson, der als Produzent und Haupt-Songwriter fungierte, noch einmal als den Pop-Mastermind zu feiern, der er war und immer noch sein kann. Es ist sein Album.

Und es gibt sie auf "That's Why God Made The Radio". Die magischen Wilson-Momente. Wie etwa den Opener "Think About The Days": noch einmal diese jungenhaften mehrstimmigen "Dee-Dee-Doo"-Chöre, dazu ein einsames Piano, ein gedämpftes Waldhorn, das leise einen melancholischen Schlusston setzt. Knapp eineinhalb Minuten sehnsüchtigste Schönheit. Der darauf folgende Titeltrack reißt den Hörer dann leider aus den nostalgischen Träumen, offenbart erstmals die leicht brüchige Stimme von Brian Wilson.

Im Albumverlauf steht sie ein wenig im Kontrast zur äußerst gefälligen Produktion und einigen schunkelrockigen Songs: So wirken die Beach Boys wie eine zu braun gebrannte Altherren-Mucker-Gruppe - etwa beim Calypso-Pop von "The Private Life Of Bill And Sue" oder dem "Kokomo"-Wiedergänger "Daybreak". Wunderbar hingegen: Das zurückgenommene "From There To Back Again" mit Lead-Vocals des scheinbar alterslosen Al Jardine. Dass Wilson immer noch immer ganze Pop-Sinfonien erschaffen kann, beweist auch der Schlusstrack "Summer's Gone", der laut seiner Aussage der letzte Beach-Boys-Song aller Zeiten sein soll: Dort blickt er ein letztes Mal sehnsüchtig zurück: "Summer's gone / I'm gonna sit and watch the waves / We laugh, we cry / We live then die / And dream about our yesterday", singt er dort. Manche Träume sterben eben nie.

The Beach Boys auf Deutschland-Tournee:

03.08., Berlin, O2 Arena

04.08., Stuttgart, Schleyerhalle

05.08., Mönchengladbach, Hockey Park

Stefan Weber

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelThat's Why God Made The Radio
Bandname/InterpretBeach Boys
GenreRock/Pop
GenrePop
Erhältlich ab01.06.2012
LabelCapitol
VertriebEMI
Laufzeit38:47
EAN Code5099960282422
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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