Bobby Womack, einer der wichtigsten Soul-Sänger und Songschreiber der Musikgeschichte, hat seit 18 Jahren kein Album mit neuer Musik mehr aufgenommen. Freund und Fan Damon Albarn (Blur, Gorillaz) sorgte dafür, dass die 68-jährige Legende mit der eindringlichen Stimme endlich wieder zu frischen kreativen Ufern aufbrach. Dabei ist das künstlerische Reha-Projekt durchaus geglückt. "The Bravest Man In The Universe" ist gebrochen-bewegend gesungen, aber auch modern produziert mit karg treibenden Rhythmen vor großen - im positiven Sinne - theatralischen Klanglandschaften.
Bobby Womack ist einer der großen Hintermänner des Soul. Fast jeder Hit, den er für andere schrieb, ist dem breiten Publikum bekannter als Womack selbst. So etwa "It's All Over Now", das die Rolling Stones zum Hit machten, "I'm A Midnight Mover" in der Version von Wilson Pickett oder "Breezin'" von George Benson. Bobby Womack hatte jedoch auch mit der eigenen überbordenden Stimme, die stets kurz vor einer heiseren Explosion zu stehen schien, ihre Momente: So etwa im Song "Across 110th Street" aus dem gleichnamigen Blaxploitation-Film, der durch Quentin Tarantinos "Jackie Brown" zu neuen Ehren kam. Zudem wird jeder, der einmal Bobby Womacks geniale Coverversion von "California Dreamin'" gehört hat, Kunst und Bedeutung des ehemaligen Gospelmusikers sofort verstehen: Seine Stimme bietet stets eine Dringlichkeit, die über den Hörer wie im Sturm hinwegfegt, ihn im positiven Sinne "plattmacht". Ein intuitiv verständlicher Künstler also, für den man weder Aufwärmphase noch Soul-Expertise benötigt.
Diese Eigenschaften verehrt seit langer Zeit auch der britische Pop-Denker Damon Albarn, der den über Dekaden von Drogensucht und anderen persönlichen Katastrophen gebeutelten Womack bereits für sein Projekt Gorillaz als Sänger engagierte. Gemeinsam mit Richard Russell, Labelchef von XL-Recordings, nahm Albarn im Herbst und Winter 2011 zehn neue Songs mit der Soul-Legende auf - die modern und inspirierend wirken. Und egal, ob Womacks Stimme wie im Titelsong über eckige Drum-Computer balanciert oder im Duett mit Lana Del Rey ("Dayglo Reflection") an die besten Zeiten von Massive Attack erinnert, ob der Künstler mit "Deep River" ein bewegendes kleines Gospel-Fragment abliefert oder in "Stupid" oder "Please Forgive My Heart" wie ein klassischer "Hitman" des Soul daherkommt: Man freut sich stets, Womacks Stimme in einem neuen Sound-Gewand zu hören.
Manchmal übertreiben es die Mittvierziger Albarn und Russell vielleicht ein bisschen mit ihrer Hommage an den Sound der 80-er und 90-er. Aber die holpernden Drum Machines, sphärischen Keyboardflächen und fiepsigen Synthiekaskaden sind wohl reine Geschmackssache. Und auch dass die Songs im letzten Drittel des knapp 37-minütigen Albums die Songs ein bisschen beliebig werden, schmälert den positiven Gesamteindrucks dieses Comebacks kaum.
Eric Leimann
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | überzeugend |
| CD-Titel | The Bravest Man In The Universe |
| Bandname/Interpret | Bobby Womack |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | R'n'B/Soul |
| Erhältlich ab | 08.06.2012 |
| Label | XL Recordings |
| Vertrieb | Beggars Group |
| Laufzeit | 37:33 |
| EAN Code | 0634904056124 |

