Musik / CD

Rush: Clockwork AngelsVon Engeln und Anarchisten

Gibt es über das kanadische Trio Rush eigentlich noch irgendetwas zu sagen, was nicht ohnehin schon jeder Progressive-Rock-Liebhaber weiß? Über ihre technische Ausgereiftheit wurden schon mehrere Bücher geschrieben, fast jedes ihrer 19 Alben wurde mit Gold und/oder Platin ausgezeichnet, und selbst Hollywood adelte die Band mit einer ungewöhnlichen Hommage im Film "Fanboys". Um es kurz zu machen: "Clockwork Angels" ist ein typisches Rush-Album ohne großartige Experimente geworden. Drei virtuose Musiker, der unglaubliche Wille zur musikalischen Perfektion und ein Konzeptalbum, bei dem es sich doppelt lohnt zuzuhören.

Denn der Name des Albums kommt nicht von ungefähr: "Clockwork Angels" erzählt die Geschichte eines jungen Mannes auf seiner Reise zur Selbstfindung. Das Sound- und Lyrik-Konzept wurde in zwölf Teile gestückelt, jedes Segment symbolisiert jeweils ein Kapitel in der Storyline - wie die Stunden auf einer Uhr, auf der sich der Held langsam, aber sicher immer weiter nach vorne bewegt. Eben die klassiche Heldenreise. Kompositorisch wird wieder ein Rush-Feuerwerk aufgefahren: Geedy Lee (Gesang und Bass), Alex Lifeson (Gitarre) und Neil Peart (Schlagzeug) frickeln sich in gewohnter Progressive-Rock-Manier durch das Album, lassen aber dabei niemals die Zügel aus der Hand.

Als Inspirationsquelle für das Konzeptalbum diente vor allem ein alter Freund der Band: der Science-Fiction-Autor Kevin J. Anderson, der durch seine "Star Wars"- und "Sage der Sieben Sonnen"-Romane bekannt wurde. Er half Rush dabei, die Geschichte herauszuarbeiten. Aber auch Einflüsse aus der romantisierenden Erlebniswelt von Jules Verne lassen sich in "Clockwork Angels" wiederfinden. Damit - und das ist doch eine kleinere Neuerung im Rush-Kosmos - bricht die Band mit den dystopischen Zukunftsvisionen, die sie etwa auf ihrem Überwerk "2112" (1976) erschufen. In "Clockwork Angels" gibt es noch Hoffnung auf eine schönes und auch erfülltes Leben. Aber auch hier gilt, dass der Weg das Ziel ist, wie Sänger Geedy Lee gleich im ersten Song "Caravan" anmerkt: "The caravan carries me onward / on my way at last / I can't stop thinking big / in a world where I feel so small".

Nicht an das Vergangene denken, sich nicht auf den Hosenboden setzen und sich sagen, es geht nicht mehr weiter. Nein: aufstehen und seine Träume verfolgen, dem anarchischen Chaos entfliehen und sich nicht unterdrücken lassen - das ist die Botschaft von "Clockwork Angels". Es ist ein positives aber dennoch nachdenkliches Album geworden, das wegen seiner Komplexität die volle Aufmerksamkeit benötigt. Dieser Trip ins Unbekannte lässt einen dann aber nicht mehr so schnell los.

Ben Hiltrop

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelClockwork Angels
Bandname/InterpretRush
GenreRock/Pop
GenreProgressive Rock
Erhältlich ab08.06.2012
LabelRoadrunner
VertriebWarner
Laufzeit66:01
EAN Code0016861765620
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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