Musik / CD

Joe Jackson: The DukeHeute ein Herzog

Das Problem mit Joe Jackson: Der Mann ist einfach viel zu talentiert. Rückblickend war es ein böses Missverständnis, den biestigen Briten für eine Galionsfigur der New Wave zu halten, auch wenn seine ersten beiden Alben im Grunde seine besten blieben. Jackson sieht das freilich anders. Reine Attitüde nennt er seine frühe Meisterschaft heute abfällig. Im Innersten hat der Mann, der mit der Joe Jackson Band dereinst schmuddelige Clubs zum Kochen brachte, die ehrwürdige Royal Academy of Music nie verlassen. Auch die Helden seiner Jugend hat der ehemalige Kompositionsstudent nicht vergessen. Duke Ellington ist sein größter. Und es zeugt von der gesunden Hybris des Wahlberliners, dass er sich nun ein "The Duke" betiteltes Tribute-Album zutraut. Es ist die erste Joe-Jackson-Platte mit ausschließlich fremdem Material seit dem kommerziellen Totalschaden "Jumpin' Jive" von 1981. Die Erfolgsaussichten dürften heute kaum besser sein als damals.

Joe Jackson wird das allerdings wenig jucken. Der Musiker hält es mit seinen Alben heute wie Jean-Luc Godard mit seinen Filmen: Was interessiert mich mein Publikum oder gar die schnöde Journaille? Was zählt, ist die eigene Brillanz. Für Kompromisse hält sich der 57-Jährige wahrscheinlich mit Recht für zu alt. Und so gibt es jetzt 15 handverlesene Klassiker (darunter vier Medleys) des berühmten Arrangeurs, Band-Leaders und Jazz-Übervaters Duke Ellington zu hören, ohne dass sie noch nach Duke Ellington klängen.

Die charakteristischen Ellington-Bläser hat Jackson nach eigener Aussage als Allererstes entsorgt. Und leider auch sonst fast alles, das Musik organisch und lebendig klingen lässt. Vielleicht soll "The Duke" modernistisch klingen. Tatsächlich wirkt das Ganze wie eine sehr versierte, aber auch ziemlich blutleere Fingerübung.

"Isfahan" mit einem weltentrückt gniedelnden Steve Vai an der Gitarre ist einigermaßen fürchterlich. Das prinzipiell göttliche "Mood Indigo" gerinnt schrecklich zäh. Anderswo fröhnt der Kosmopolit Jackson recht zackig seinen Vorlieben für Orientalistik und andere Stilfusionen. In den besseren Momenten erinnern die Tracks an den zu Unrecht vergessenen finnischen Elektro-Crooner und Schelm Jimi Tenor. Relevant ist trotzdem was anderes. Auch wenn Joe Jackson ganz am Ende mit dem alten Zornesbruder Iggy Pop im Duett singt. Das ist ganz possierlich, und doch hätten die Herren das Diktum des interpretierten Klassikers ernster nehmen sollen: "It Don't Mean A Thing If It Ain't Got That Swing".

Joe Jackson auf Deutschland-Tournee:

16.10., Köln, Theater am Tanzbrunnen

18.10., Ludwigsburg, Scala

19.10., München, Circus Krone

06.11., Berlin, Admiralspalast

Jens Szameit

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelThe Duke
Bandname/InterpretJoe Jackson
GenreJazz/Blues
GenreJazz/Blues
Erhältlich ab22.06.2012
LabelEar Music
VertriebEdel
Laufzeit45:00
EAN Code4029759079118
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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