Musik / CD

Slipknot: Antennas To Hell"Eine Maske verrät uns mehr als ein Gesicht"

Am 24. Mai 2010 starb Slipknot-Gründungsmitglied und -Bassist Paul Dedrick Gray in einem Hotelzimmer in Urbandale, Iowa, an einer Überdosis Morphium. Schwer getroffen von diesem Verlust überlegten die verbliebenen acht Mitglieder lange, ob sie ohne Gray weitermachen wollen würden und auch könnten. Nach über einem Jahr Trauerbewältigung gingen sie im 2011 mit einem Aushilfsbassisten wieder auf Tour. Als Erinnerung an das verstorbene Mitglied mit der Schweinemaske und der Nummer Zwei auf dem Overall - und wohl auch als Überbrückung für ein vielleicht kommendes fünftes Studio-Album - bringen Slipknot mit "Antennas To Hell" ihre erste Best-Of-Compilation raus.

An Slipknot scheiden sich - damals zu Zeiten ihres gleichnamigen Debüts (1999) wie heute - die Geister. Ja, man kann Slipknot gerade in ihren Anfangstagen mangelndes songwriterisches Gespür vorwerfen. Man kann auch die Masken lächerlich und die fast auf Fußball-Mannschaft aufgeblasene Bandgröße absurd finden und die Truppe als reinen Marketing-Gag sehen. Dennoch muss man auch als neutraler Beobachter zugeben, dass der Haufen aus Des Moines, Iowa, Pionierarbeit leistete. Sie haben einer ganzen Generation Metal näher gebracht, waren eine Einstiegsdroge in die Szene.

Auch wenn Best-Of-Alben immer mit Vorsicht zu genießen sind und oft auf den Markt geworfen werden, um entweder einen schnellen Euro zu machen oder eine Band aus ihrem Vertrag zu entlassen, so macht "Antennas To Hell" durchaus Sinn. Das Paket umfasst zwei CDs und eine DVD: Die chronologisch angeordneten Hits auf CD eins geben einen guten Einblick in die Metamorphose der Band: Ihr Weg führte sie von der möglichst psychopathischen Krachband mit aufdringlich hohem Chaos-Faktor über einen kurzen Umweg zu Death-Metal-artigen Gehversuchen ("Iowa", 2001), weiter zu einem experimentellen Album "Vol. 3: (The Subliminal Verses)" (2004). Bis sie schließlich auf dem letzten Werk "All Hope Is Gone" (2008) vermehrt ruhige und sogar balladeske Töne anschlugen und ihre bislang ausgereifteste Platte ablieferten. Oder auf den Punkt gebracht: Aus Slipknot ist eine Band geworden, die nicht nur ein pervers hohes Energie-Level hat, sondern auch gelernt hat, ordentliche Musik zu machen.

Auf der zweiten Audio-CD befindet sich die komplette Tonspur des bereits 2010 veröffentlichten Headliner-Gigs auf dem Download-Festival der Live-DVD "(sic)ness", bei dem 17 Songs in die Menge gefeuert wurden. Auf der Bonus-DVD gibt es dann alle Musik-Videos der Band - unter anderem das erste amateurhaft gedrehte "Spit It Out", das intime "Before I Forget" und auch ihr künstlerisch mit Sicherheit interessantestes Video "Vermillion" - sowie einige Live-Mitschnitte. Als weiteren visuellen Bonus gibt es zehn Video-Clips, die mit einigen Backstage-Impressionen nett gemeint sind, aber durch nervige Song-Remixe von Shawn "The Clown" Crahan eher abschrecken, als wirklich zu unterhalten wissen.

Ben Hiltrop

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelAntennas To Hell
Bandname/InterpretSlipknot
GenreHard&Heavy
GenreModern Metal
Erhältlich ab20.07.2012
LabelRoadrunner
VertriebWarner
Laufzeit156:46
EAN Code0016861763725
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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