Musik / CD

Antony & The Johnsons: Cut The WorldSegeln auf einem Ozean

Rent an Antony: In den letzten Jahren, da der in den USA aufgewachsene Brite Antony Hegarty vom skurrilen New Yorker Underground-Künstler zum weltweiten Feuilleton-Champion aufstieg, gab es kaum ambitionierte Kunststars, der nicht mit dem 1971 geborenen Ausnahmesänger arbeiten wollten: Hegarty trällerte mit Björk und Herbert Grönemeyer, spielte mit renommierten Orchestern auf der ganzen Welt, zeigte seine Zeichnungen im Hammer Museum zu Los Angeles und kuratierte zuletzt das Meltdown-Festival in London. Kein Wunder, dass bei einem solchen Programm das Schreiben neuer Stücke auf der Strecke blieb. Folgerichtig enthält "Cut The World" mit dem Titelstück auch nur eine Neukompositon aus den fleischigen Händen Antony Hegartys.

Auch wenn es Hardcore-Fans des baumlangen, übergewichtigen Briten abstreiten werden - ein bisschen hat man sich an den außergewöhnlichen Sound von Antony & The Johnsons gewöhnt. Ihn aufgenommen in den Popkanon der Gegenwart - seit jenen Tagen, da Hegartys zweites Album "I Am A Bird Now" erschien und die Welt im Sturm eroberte. In fast allen Listen der besten Platten des Jahres 2005 tauchte das Werk ziemlich weit oben auf. Sein intimer Kammerorchester-Sound, die radikal selbstentblößenden Texte, wunderschöne Songs und natürlich die einzigartige Stimme, welche nicht von dieser Welt zu sein schien: Manche Musik ist einfach so gut, dass sie gegen alle Konventionen verstoßen darf und trotzdem zum Hit wird.

Im Laufe der folgenden drei Alben, die sicher nicht schlecht waren, orientierte sich Antony weg von der intimen Kammermusik und hin zum großen Orchesterklang. Dieser Entwicklung folgt mit "Cut The World" nun eine Dokumentation in Albumlänge. Mit dem Danish National Chamber Orchestra nahm Hegarty die Stücke dieses Albums an zwei Abenden vor Publikum auf. Es handelt sich vorwiegend um ältere Stücke wie "Cripple And The Starfish", "You Are My Sister" oder "The Crying Light", die bislang nicht in Versionen mit großem Orchester vorlagen. Und sogar ein Verbalpamphlet hat es - mutig! - an zweiter Position mit aufs Album geschafft. In der siebeneinhalb Minuten langen Ansprache "Future Feminism" doziert Antony darüber, wie sich Frauen solidarisieren und die Welt verändern könnten - eine von Antonys großen Hoffnungen für die Welt, deren lyrische Beschreibung mit der Zeit immer mehr Gewicht erhält gegenüber eher introspektiven Befindlichkeitstexten früherer Alben.

Gemessen am hohen Anspruch, den man an ein Album von Antony & The Johnsons haben darf, sind die kraftvollen, aber bisweilen etwas zu mächtigen Songversionen auf "Cut The World" sicher kein Meilenstein in der Bandkarriere. Gut anzuhören sind sie natürlich dennoch - Antony-Allergiker und Feinde das Klageliedes im Pop seien an dieser Stelle wie immer von der Teilnahme an dieser Musik freigestellt. Der Unterschied zwischen den alten und den neuen Versionen der Songs sei wie der Unterschied zwischen dem Waten durch einem Fluss und dem Segeln auf einem Ozean, sagt ihr Komponist, der Naturphilosoph Antony Hegarty.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelCut The World
Bandname/InterpretAntony & The Johnsons
GenreRock/Pop
GenreSymphonie-Songwriter
Erhältlich ab03.08.2012
LabelRough Trade - Beggars Group
VertriebIndigo
Laufzeit60:59
EAN Code0883870066327
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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