Er ist der Peter Pan des Lo-Fi-Sounds, der zusammen mit den Lost Boys - hier seine Band Haunted Graffiti - eine total abgedrehte Fantasiewelt erkundet. Ariel Pinks Nimmerland ist eine Gothic-Welt, in der Klaus Kinski den Captain Hook gibt und man gegen fliegende, schizophrene Schnitzel kämpft. Kurzum: Sie ist auf den ersten Blick vielleicht abschreckend, aber irgendwie doch faszinierend. Es ist die Welt von Ariel Marcus Rosenberg aus L.A., der sein neues Album "Mature Themes" ("Reife Themen") betitelt. Und so viel Selbstironie wie im Titel findet man auch auf seiner zweiten, sauber im Studio produzierten Platte für das Label 4AD.
Um Ariel Pinks Angst vor dem Erwachsenwerden zu verstehen, muss man wissen, dass er seit Mitte der 90er-Jahre über 500 Songs mit einfachsten Mitteln, meistens mit einem gerade noch so funktionierenden Kassettenrekorder, aufgenommen hat. Einige dieser Aufnahmen hat das visionäre Animal Collective auf ihrem Label Paw Tracks noch einmal veröffentlicht. Aber während sein Umfeld langsam im Ernst des Lebens ankommt, behält sich Ariel Pink seine nicht immer ganz nette und auch nicht mehr kindliche Schrägheit. Für seine Mitmenschen wohl nicht immer leicht - für "Mature Themes" ein Segen.
Seine überbordende Exzentrik und teuflische Ironie dosiert er wie auf dem Vorgängeralbum "Before Today" so clever, dass seine subversiven Anwandlungen dem Hörer nicht direkt ins Gesicht springen. Im einlullenden Titeltrack beteuert er "I wanted to be good, I wanted to be good, baby". In der anti-freudschen "Symphony Of The Nymph" heißt es "I'm just a rock'n'roller from Beverly Hills, and I'm a nymph". Seine Ironie ist und macht nachdenklicher. Obgleich es noch genug wirklich Obskures auf "Mature Themes" zu hören gibt: etwa den nur bedingt tanzbaren "Schnitzel Boogie", eine fast polemische Abrechnung mit seinem Heimatland in "American Primitive Farewell" und einen Song über den G-Punkt: "Is This The Best Spot?".
Ariel Pinks Band Haunted Graffiti spielt dazu absolut unaufgeregt ihren eindämmernden Pop, bei dem das Bewusstsein immer halb leer und nicht halb voll ist. Dazu kommen ein wenig Soul ("Baby"), 60er-Radio-Jangle-Pop ("Only In My Dreams") und zappaeske, psychedelische Momente ("Schnitzel Boogie"). Mit "Mature Themes" wird Ariel Pink nicht zum Erwachsenen, im schamlosen Kokettieren mit einer gewissen Naivität liegt die Genialität dieser Platte. Dass Ariel Pink sein Nimmerland so schnell verlässt, darüber muss man sich wohl vorerst keine Gedanken machen.
Thomas Mehringer
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | Meisterwerk |
| CD-Titel | Mature Themes |
| Bandname/Interpret | Ariel Pink's Haunted Graffiti |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Lo-Fi-Pop |
| Erhältlich ab | 17.08.2012 |
| Label | 4AD - Beggars Group |
| Vertrieb | Indigo |
| Laufzeit | 50:48 |
| EAN Code | 0652637323023 |

