ZZ Top sind Kontinuität in Form eines Trios: Seit 43 Jahren sind die Rauschebärte, Gitarrist und Vokalist Billy Gibbons, Bassist Dusty Hill und ihr Schlagzeuger Frank Beard, nun schon im Namen des Blues-Rock auf Achse. Besetzungswechsel, Skandale, Trennungen im Streit? Fehlanzeige. Doch natürlich hatten auch ZZ Top ihre Krisen, zumindest in künstlerischer Hinsicht. Davon ist aber auf "La Futura" nichts zu hören. Das Album ist ein räudiges und raues Stück Blues-Rock geworden, das ungeheuerlich groovt, ächzt und brummt.
Nachdem sie ab dem 73-er Album "Tres Hombres" die Staaten rockten, entdeckte Europa das Trio erst zu Beginn der 80er-Jahre. Da hatten die Südstaatler bereits einige Klassiker in Albumform produziert. Kurioserweise wurden sie erst zu Superstars, als sie ihren trockenen Bluesrock 1983 auf "Eliminator" mit den damals gängigen Synthesizern und Drumcomputern frisierten. Nach dem öden "Recycler" (1990) reduzierten ZZ Top die Elektronik immer mehr, bis man ab Mitte der 90-er wieder reinen Blues-Rock spielte. Allerdings boten die folgenden Alben kaum Songs, die im Gedächtnis blieben. Der sympathische Dreier hatte seine Griffigkeit verloren und musizierte auf Albumlänge recht uninspiriert vor sich hin.
Vielleicht haben ZZ Top das - nach dem wieder mal nur durchschnittlichen "Mescalero" - vor neun Jahren selbst erkannt und deshalb eine lange Albumpause eingelegt. Wie es der Zufall so will, nahm nun Produzentenlegende Rick Rubin, Reanimations-Spezialist für ins Straucheln geratene Rock-Dinosaurier, das große ZZ Top-Comeback unter seine Fittiche. Er setzt auf "La Futura" seine bewährte Vorgehensweise um, die auf Transparenz und einfach gehaltene Strukturen im Soundkonzept basiert.
Ob Tom Petty ("Wildflowers", 1994), die späten American Recordings von Johnny Cash, Neil Diamond oder gar AC/DC ("Ballbreaker", 1995): Ihnen allen verordnete Rubin die Abkehr von über die Jahre angewöhnten Klangkonzepten. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Aufnahmen der Superstars klingen warm, entschlackt von allen überflüssigen Studio-Effekthaschereien, und überzeugen durch ihre stringente Transparenz: ortbare Instrumente, die man an einer Hand abzählen kann. Nicht immer kann oder will Rubin das bei all seinen zahlreichen hochdotierten Klienten umsetzen - bei ZZ Top hat es jedoch bestens funktioniert.
Die Songs sind einfach gehalten und griffig, dabei spielt die Band erfrischend und fokussiert auf den Punkt und ist selbst in ruhigen Momenten ("Over You", "It's Too Easy Manana") meilenweit vom Kitsch entfernt. Billy Gibbons' Stimme ist zudem auf angenehme Art gealtert und man spürt, dass er dieses Mal stimmlich alles richtig machen wollte. Ist ihm bestens gelungen, so soll es sein. Ist "La Futura" nun das lang herbeigesehnte Comeback-Meisterwerk? Nein. Ist es einfach ein gutes Album? Ja. Und zwar vom ersten bis zum letzten Ton. Welcome Back, ZZ Top.
Constantin Aravanlis
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | ausgezeichnet |
| CD-Titel | La Futura |
| Bandname/Interpret | ZZ Top |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Blues-Rock |
| Erhältlich ab | 07.09.2012 |
| Label | American - Universal Republic - UID |
| Vertrieb | Universal |
| Laufzeit | 39:22 |
| EAN Code | 0602537141135 |

