Es klingt ein wenig wie eine Warnung. "Killer Sounds", so lautet der Titel des neuen Albums der britischen Band Hard-Fi. "Ich bin beim Surfen im Internet auf einen Artikel über einen Mann in Columbia gestoßen", erzählt Sänger Richard Archer, "Er macht aus Waffen von Banditen und Drogendealern Gitarren. Der Artikel trug die Überschrift 'Killer Sounds', das fand ich so super, dass ich einen Song mit dem Titel schreiben wollte." Der Titel macht aber auch aus einem anderen Grund Sinn, denn "Killer Sounds", also richtig gute Hits, sind genau das, was Hard-Fi dringend benötigten.
Mit ihrem Debütalbum "Stars Of CCTV", das das Quartett aus dem Londoner Vorort Staines zu Hause für gerade mal 300 Pfund aufnahm, wurden sie 2005 über Nacht berühmt. Weltweit verkaufte sich das Album zwei Millionen Mal. Der Nachfolger "Once Upon A Time In The West" allerdings kam zwei Jahre später sowohl bei Kritikern als auch bei Fans nicht annähernd so gut an.
Richard Archer weiß warum. "Der Druck bei unserem zweiten Album war immens", sagt er. "Was bei unserem ersten Album passiert ist, hätten wir nie erwartet. Unser Deal mit unserem Label war, dass wir ein zweites Album machen dürfen, wenn wir vom ersten 60.000 Stück verkaufen. Nie im Leben hätten wir mit zwei Millionen gerechnet. Den Gedanken, dass morgen alles wieder vorbei sein könnte, hatten wir bei der Arbeit an unserem letzten Album ständig im Hinterkopf." Zu allem Überfluss verlor Archer während der Aufnahmen auch noch seine Mutter. "Es kam einfach alles zusammen", sagt er.
Nach der Tour zu "Once Upon A Time In The West" nahm die Band sich deshalb erst mal eine Auszeit. "Unsere Tour endete in Nashville, danach blieben wir noch einen Monat zusammen in Amerika, fuhren nach Memphis und Graceland, schauten uns alle möglichen Aufnahmestudios an und besuchten all die Orte besucht, an denen Musik entstanden ist, die wir lieben", erzählt Archer. "Endlich mal rauskommen und alles verarbeiten können, das hat uns wieder inspiriert." So sehr, dass Archer danach massig Songideen hatte.
Statt die Stücke wie sonst in ihrem eigenen Studio in Staines aufzunehmen, entschlossen Hard-Fi sich dieses Mal allerdings, einen Produzenten hinzuzuholen. Die Wahl fiel auf Lily-Allen-Produzent Greg Kurstin und Stuart Price, der schon mit Madonna und Take That gearbeitet hatte. Auch deswegen brauchte Hard-Fi für "Killer Sounds" so lang, denn vor allem Price hatte einen vollen Terminkalender. Das Warten allerdings hat sich gelohnt. "Ich war schon immer Fan von Stuarts Remixen", so Archer. "Oft waren die Songs besser als das Original." Statt ihre Songideen komplett auszuarbeiten, ließen Hard-Fi Price also gleich ran. "So hatten wir sozusagen sofort einen Remix", so Archer.
Folglich vereint "Killer Sounds" einmal mehr tanzbare Beats mit rockigen Sounds. Ein Rezept, das wieder aufgeht? Archer hängt die Messlatte tief: "Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir lange weg waren und sich viel verändert hat", weiß der Sänger. "Wir sind zwar zurück, aber nicht mit der Erwartung, sofort wieder ein Nummer-Eins-Album zu haben. Wir müssen hart arbeiten, denn einige Leute haben uns vielleicht vergessen. Aber genau das macht es ja so spannend."
Nadine Lischick



