Der Spaß musste immer sein. Roberto Blanco ist vielleicht einer der diszipliniertesten Unterhaltungkünstler der deutschen Nachkriegszeit. Einer, der nicht zerbrach am ewig Gleichen, der nicht erstickte im eng geschnürten Korsett der Schlagermaschinerie. Seit 1972 ist sein Name unwiderruflich mit dem Dauer-Hit "Ein bisschen Spaß muss sein" verbunden. Und Blanco wird offenbar nie müde, ihn zu singen. Er ist eine professionelle Frohnatur. Ein eiserner Entertainer. Seit 55 Bühnen-Jahren hält er das selbst auferlegte Ausgelassenheits-Dogma aufrecht. Und das immer noch mit vollem Einsatz. Roberto Blanco wird am 7. Juni 75 Jahre alt.
Er ist vielleicht der erste Casting-Star des deutschen Fernsehens. 1957 setzte sich Roberto Blanco im Prä-"DSDS"-Format der ARD "Dem Nachwuchs eine Chance" gegen 1.800 Mitbewerber durch. Zuvor hatte der damals 20-Jährige im deutschen Kriegsfilm "Der Stern von Afrika" sein Filmdebüt gegeben. Aus heutiger Sicht ein seltsamer Auftritt: Er tanzt darin mit nacktem Oberkörper für eine johlende Horde Weißer. Fragwürdig? Nicht für Blanco. Er ließ sich gerne von der Exotik vorgaukelnden Schlagerwelt im Nachkriegs-Deutschland vereinnahmen. Von einem Publikum, das später sehnsüchtig bei Capri die rote Sonne im Meer versinken sah, und weiße Rosen aus Athen orderte.
Dabei will seine Lebensgeschichte so gar nicht zur heilen Sorglos-Welt seiner Lieder passen. Blanco wird 1937 in Tunis geboren. Seine Mutter stirbt als er erst zwei Jahre alt ist, der kubanische Vater reist als Folklore- und Varieté-Künstler um die Welt. Der Filius wird in Internaten groß, reist dem Senior in den Ferien weltmännisch hinterher. Er probiert es mit einem bodenständigeren Weg, studiert Medizin und biegt nach zwei Semestern wieder ab. Er will auf die Bühne.
Und dort hat der "braune Bomber" Erfolg. In der aus Fernweh-Klischees geschnitzten Schlagerwelt zünden sein fremdländischer Akzent, die Lebensfreude verheißenden südländischen Rhythmen und die trauerfreien Texte. Blanco, der mit seiner donnernde Opern-Stimme bereits Josephine Baker beeindruckt hatte, entwickelte sich zum leichten Unterhaltungs-Profi und zum exotischen Frauenschwarm. "Heute so, morgen so" - mit diesem Titel gewann Blanco 1969 die deutschen Schlagerfestspiele. 1972 schlagen "Ein bisschen Spaß muss sein" und "Der Puppenspieler von Mexiko" ein.
Von Rassismus wollte Roberto Blanco nie etwas wissen. "Ich hab das zum Glück nie gespürt", bekräftigt er mehrmals in Interviews, pochte stattdessen stets auf seine unpolitische Haltung. Das CSU-Ehrenmitglied ist die Spaß-Ikone, keine Galionsfigur für Integration. 1972 wird Blanco deutscher Staatsbürger, seine elterliche Heimat Kuba besucht er 1986 das erste Mal, tritt in Havannas legendärem "Tropicana"-Club auf. In den 90-ern landet er mit Tony Marshall den Wiesn-Hit "Resi bring Bier".
Bei aller Popularität jedoch ist die Öffentlichkeit nicht immer nur gnädig mit Roberto Blanco, der verheiratet ist und dennoch den professionellen Schürzenjäger gibt. "Ich bin in der Öffentlichkeit - und ich bin ein Mann", sagte der selbst ernannte Familienmensch einmal. Ein unehelicher Sohn, die Scheidung von Langzeit-Ehefrau Mireille und die Hochzeit mit einer deutlich Jüngeren sorgen später für Furore. Der Wahl-Münchner empört sich über die Berichterstattung, zeigt sich dünnhäutig.
Aber er ist nun mal eine Person des öffentlichen Lebens. 99,9 Prozent der Deutschen würden ihn kennen, behauptete Roberto Blanco einmal. Und vermutlich ist das so. Die Blütezeit der Schlager-Ikone ist sicher vorbei. 1976 fesselt er in seiner Show "Roberto - Ein Abend mit Roberto Blanco" 17 Millionen TV-Zuschauer. Heute singt Blanco auch auf Betriebsfeiern. Die Haltung dürfte die gleiche geblieben sein - zu ertragreich ist das Klischee: "Wenn ich morgen in einem Film die Rolle eines afrikanischen Schwarzen kriege und die zahlen gut, dann spiele ich sie. Was sollte daran schlecht sein? Ich habe Schwarze in Rollen als Menschenfresser gesehen, na und? Es ist eine Rolle im Film", konstatierte er 2008 in einem Interview.
Seine Rolle im Showgeschäft füllt Roberto Blanco indes immer noch perfektionistisch aus. Vom ganz radikalen Imagebruch sieht er ab: 2011 veröffentlicht er das Album "Du lebst besser, wenn du lachst", ein ambitioniertes Salsa-Werk, auf dem er unter anderem mit dem kubanischen Grammy-Gewinner Chucho Valdés, einem renommierten Jazz-Pianisten, zusammenarbeitete. Zudem trat er mit der Metal-Band Sodom beim "Wacken"-Festival auf. Ein Neuanfang?
Nicht wirklich. Auch weil das Klischee längst zum Selbstläufer geworden ist. Roberto Blanco schert das sicher wenig, für den Entertainer zählt anderes: Einmal im ausverkauften "Caesar's Palace" in Las Vegas auftreten - das wünschte sich Roberto Blanco schon zum 70. Geburtstag. Das ewige Buhlen um Anerkennung und Applaus, daran dürfte sich auch mit 75 nichts geändert haben.
Katharina Raab


