Kino / Portraits

"'Nein, nein, nein, ich will nicht darüber reden ...'"

Eugene Levy ist auch in "American Pie: Das Klassentreffen" (Start: 26.04.) der heimliche Star

Wie immer sind sich Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg einig: Die Frage, auf welchen Schauspieler sich die beiden bekennenden "American Pie"-Fans vor dem Dreh ihrer Fortsetzung am meisten freuten, beantworten die "American Pie: Das Klassentreffen"-Regisseure synchron: "Eugene Levy". "Er ist eine Legende", meint Hurwitz. "Eine Type wie ihn trifft man nicht an jeder Ecke", ergänzt Schlossberg. Wie sich herausstellen soll, besitzt der 65-jährige Kanadier, der landläufig als "Jims Dad" bekannt ist, tatsächlich eine sehr einnehmende Präsenz - ob er nun mit subtilem Witz über Brachialhumor redet oder sich selbst zum Langweiler erklärt.

teleschau: Herr Levy, eine Riesen-Pressetour geht gerade für Sie zu Ende: Welche Frage wurde Ihnen in den letzten Wochen am häufigsten gestellt?

Eugene Levy: Das wäre: "Wie fühlt es sich an, alle wiederzusehen?" Die Frage kommt in 99 Prozent aller Interviews.

teleschau: Tatsächlich? Man hätte vermutet, dass die meisten darauf anspielen, dass Sie als einziger Darsteller in allen acht Filmen des "American Pie"-Kosmos mitwirkten.

Levy: Das kam erstaunlich selten. Und ehrlich gesagt bin ich froh darüber. Ich trenne die "American Pie"-Kinofilme von denen, die direkt auf DVD erschienen, weil ... (lange Pause)

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teleschau: ... ich verstehe.

Levy: Seien wir ehrlich, meine Auftritte in den "American Pie präsentiert"-Filmen waren rein finanziell motiviert. Ich sage es nicht gern, aber so ist es.

teleschau: Gab es jemals einen Moment, in dem Sie dachten: "Ich hätte vor zwei Filmen aufhören sollen"?

Levy: Nein, denn ich sagte mir, dass das Publikum, das die DVD-Veröffentlichungen ansieht, ein anderes ist als das, das die "American Pie"-Kinofilme schaute.

teleschau: Können Sie die einzelnen Teile noch auseinanderhalten?

Levy: Die Filme, die nur auf DVD erschienen, habe ich nie gesehen.

teleschau: Im Grunde hätte wohl schon der Originalfilm gereicht, um Sie dauerhaft auf "Jims Dad" festzulegen. Auf einer sehr bekannten Filmhomepage steht dazu eine nette Zeile: "'American Pie' zementierte Eugene Levys Image als Amerikas Lieblingsvater".

Levy: Wow. Das ist wirklich ein schönes Zitat, denn genau das wollte ich erreichen, als ich mir damals über meine Rolle Gedanken machte. Wissen Sie, als ich 1998 das Skript zu "American Pie" erhielt, wollte ich den Part nicht übernehmen. Jims Dad gefiel mir nicht, so wie er im Drehbuch beschrieben war, denn er wollte seinem Sohn mehr Freund als Vater sein.

teleschau: Wer oder was stimmte Sie um?

Levy: Chris und Paul Weitz erlaubten mir und meinem Filmsohn Jason Biggs, unsere Szenen zu improvisieren. So konnte ich Jims Dad zu einem liebe- und verständnisvollen Vater modellieren, der die Handlungen seines Sohnes nicht kritisch bewertet - nicht einmal dann, wenn er ihn beim Sex mit einem Apfelkuchen erwischt. Er sieht den Fehler stattdessen bei sich, weil er meint, dass er seinem Sohn etwas nicht richtig erklärt hat.

teleschau: Glauben Sie, dass Sie Ihren beiden Kindern "alles richtig erklärt" haben?

Levy: Nein, mein Sohn wollte überhaupt nichts über solche Dinge hören. Als er zwölf oder 13 Jahre alt war, gingen wir spazieren und ich versuchte, mit ihm das berühmte Vater-Sohn-Gespräch zu führen. Er hielt sich die Ohren zu und rief: "Nein, nein, nein, ich will nicht darüber reden ..."

teleschau: Wie reagierten Sie?

Levy: Ich meinte: "Aber das ist doch ganz natürlich." Darauf sagte er: "Ich weiß schon alles, was ich wissen muss." Dabei ließ ich es bewenden.

teleschau: Vielleicht sind Sie deshalb bisher nur im Film Großvater geworden ...

Levy: Stimmt, momentan deutet noch nichts auf Enkelkinder hin. Keine langjährigen Partnerschaften, keine bevorstehenden Trauungen - meine Kinder lassen sich Zeit.

teleschau: Wie glauben Sie würden Ihre Kinder Sie beschreiben?

Levy: Ich denke, als guten, unterstützenden Vater. Und vielleicht als witzigen. Das versuchte ich zumindest immer zu sein.

teleschau: Glauben Sie, dass Sie Ihrem Sohn und Ihrer Tochter manchmal peinlich waren?

Levy: Ganz ehrlich, mir fällt keine Situation ein. Außer, sie haben mich mal auf der Tanzfläche gesehen.

teleschau: "American Pie" ging für Ihre Kinder also auch in Ordnung?

Levy: Witzigerweise gab es erst in "American Pie: Das Klassentreffen" einen Moment, bei dem die beiden bei der Premiere in Los Angeles schockierte Blicke tauschten - und heute sind sie immerhin 25 und 28. Hm, vielleicht war das der Augenblick, in dem ich ihnen wirklich peinlich war. Aber ich denke, sie kommen klar.

teleschau: Im Film werden Sie überredet, ein Profil bei einem Online-Dating-Portal anzulegen. Wie würde Ihr eigenes aussehen?

Levy: Wohl wie das im Film.

teleschau: Dann ist Ihr liebstes Hobby das Lösen von Sudokus?

Levy: Äh ... nein. Und meine Lieblingsband ist auch nicht Herman's Hermits. Aber wenn ich meine Favoriten angeben würde, läsen die sich wohl genauso idiotisch wie das.

teleschau: Sicher?

Levy: Ich mag Folk, schon seit meiner Jugend. Und ansonsten vielleicht die Beatles, die Eagles, Adele ... Okay, so peinlich ist das vielleicht gar nicht.

teleschau: Absolut nicht.

Levy: Wie auch immer, wenn eine Frau bei diesem Onlineportal auf der Suche nach einem aufregenden, exotischen Draufgänger wäre, dann müsste sie wohl weitersuchen.

Annekatrin Liebisch

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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