Kino / Portraits

Hinter dem Busen

Scarlett Johansson rettet die Welt in "Avengers" und einen Tierpark in "Wir kaufen einen Zoo" (Start: 03.05.)

Die Brüste sind eine wirklich gute Ablenkung. Es gibt einen Moment im aktuellen Superheldenepos "Avengers", in dem Scarlett Johansson in ihrer Rolle als Black Widow gefangen genommen wird. In einem spektakulär dekolletierten Kleid sitzt sie da, an einen Stuhl gefesselt, sehr schön und scheinbar auch sehr wehrlos - um nur Sekunden später Stuhl und Häscher fachgerecht auseinanderzunehmen. Diese Szene ist wohl eine der realitätsnäheren im Film: Denn auch im wahren Leben lassen sich ihre Mitmenschen nur allzu oft vom Äußeren der Schauspielerin (die übrigens ab 03.05. auch mit "Wir kaufen einen Zoo" im Kino zu sehen ist) ablenken.

Klar, sie hat ja auch einiges zu bieten: Volle Lippen, volle Brüste, eine echte Pin-Up-Figur. Die hält sie derzeit unter anderem für die Edelmarken Moet und Dolce & Gabbana in die Kamera. So oft, dass der britische Kollege Tom Wilkinson sich schon Sorgen macht: "Sie verdient wahrscheinlich haufenweise Geld damit, das Gesicht von Wasauchimmer zu sein. Aber sie ist so eine gute Schauspielerin. Ich möchte ihr sagen: Das kannst du am besten, das ganze andere Zeug ist nur zweitrangig." Doch ob seine Bedenken, dass sie als Reklamemädchen ihre Glaubwürdigkeit verspielt, wirklich gerechtfertigt sind?

Zugegeben: Weder die Popcorn-Orgie "Avengers" noch der Wohlfühlfilm "Wir kaufen einen Zoo" verlangten ihr schauspielerische Schwerstarbeit ab. Doch einstweilen zehrt Johansson noch von dem guten Ruf, der ihr als Schauspielerin anhängt, seit sie 2003 in "Lost In Translation" Co-Star Bill Murray und die Kritiker gleichermaßen verzauberte, und den sie in unregelmäßigen Abständen mit durchaus denkwürdigen Auftritten untermauert. Ohnehin, ihr Ende als Werbeikone sagte Johansson selbst kürzlich im Interview mit dem Fernsehsender Tele 5 voraus: "Es ist eine Ehre für mich, dass ich als sexy gelte. Aber mir ist klar, dass ich spätestens in zwei Jahren von anderen Frauen abgelöst werde. Dann werde ich sicherlich nicht mehr so gesehen." In zwei Jahren, wohlgemerkt, wird sie 29 Jahre alt sein.

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Reine Koketterie also, das ist klar. Aber diese Koketterie beweist auch eine gewisse Abgeklärtheit im Umgang mit Hollywood. Kein Wunder: Johansson stand schon mit acht Jahren neben Ethan Hawke auf der Bühne, mit 14 dann neben Robert Redford vor der Kamera ("Der Pferdeflüsterer", 1998). Und während andere Stars und Sternchen aus Beverly Hills alljährlich auf die Oscarnacht hinfiebern, besucht die gebürtige New Yorkerin lieber das "White House Correspondents' Dinner" in Washington - gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Hunter, der seine Karriere im Politikbetrieb als Kampagnenmanager für Barack Obama begann. Sie stamme aus einer politisch sehr interessierten Familie, verriet sie vor einigen Monaten im US-Magazin "Interview". Da sei es ganz natürlich gewesen, selbst politisch aktiv zu werden: "Es war einfach selbstverständlich, dass es wichtig war, dass es unsere Verantwortung war."

Dementsprechend hielt sie 2008 auch schon in einem Werbevideo für Obama ihr Gesicht in die Kamera - und nicht nur für ihn: Im letzten Jahr etwa engagierte sie sich mit einem Videoblog über die Dürre in Somalia. "Wenn das Scheinwerferlicht auf mich gerichtet wird, lenke ich dieses Licht lieber auf ein Anliegen, das mir wichtig erscheint, oder auf interessante, progressive Figuren."

Auf andere also - und vor allem weg von sich selbst: Johansson ist ein Star, der sein Privatleben gerne privat leben würde. Ein Twitter-Konto? Ein Facebook-Auftritt? Fehlanzeige. Johansson ist niemand, der der Welt mitteilen möchte, was es zum Mittagessen gab. Als sie sich im letzten Jahr von ihrem Ehemann und Schauspielkollegen Ryan Reynolds trennte, konnte sie die Berichterstattung allerdings auch nicht verhindern. "Es wäre mir lieber, wenn die Menschen weniger Zugang zu meinem persönlichen Leben hätten", sagte sie im Gespräch mit "Interview". "Wenn ich das schaffen könnte, wäre ich eine glückliche Frau." Noch hat die Hollywood-Schönheit da schlechte Karten, sie wird von Kameras verfolgt. Doch vielleicht sieht das in zwei Jahren ja schon ganz anders aus.

Sabine Metzger

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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