Nein, über seinen ehemaligen Guns-N'-Roses-Bandkollegen Axl Rose mag Slash nicht reden. Das lässt er vorab wissen. Mit dem Sänger spricht der Gitarrist angeblich schon seit Jahren kein Wort mehr, beide gelten als hoffnungslos zerstritten. Slash ist zum Interview gekommen, um über "Apocalyptic Love", sein zweites Soloalbum, Auskunft zu geben. Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem er diverse Gastsänger wie Ozzy Osbourne, Kid Rock und Fergie von den Black Eyed Peas ins Studio gebeten hatte, stellte der 46-Jährige dieses Mal eine richtige Band um Alter-Bridge-Sänger Myles Kennedy zusammen. Im Interview verrät Slash, warum er nicht selbst singt, spricht über Helden des Alltags und seine Liebe zu Horrorfilmen. Und lässt im Gespräch dann doch zumindest eine kleine Spitze gegen Axl Rose los.
teleschau: Slash, Ihr neues Soloalbum veröffentlichen Sie unter dem Namen "Slash featuring Myles Kennedy and The Conspirators". Ist aus Slash eine Band geworden?
Slash: Das könnte man so sagen, ja. Ich habe eine dauerhafte Band zusammengestellt. Und es fühlt sich auch wie eine richtige Band an. Ich habe vier Jungs im Boot, die genau das gleiche wollen wie ich und genauso viel Spaß daran haben. Die Songs haben Myles und ich übrigens zusammen geschrieben, wir sind also so etwas wie Partner.
teleschau: Sie waren bisher stets mit - sagen wir mal - "egozentrischen" Sängern in einer Band. Axl Rose zum Beispiel hat gerade die Aufnahme von Guns N' Roses in die Rock'n'Roll Hall Of Fame boykottiert.
Slash: Das stimmt, ich war bisher meist mit Sängern in einer Band, die wirklich große Egos hatten und das Zentrum ihres eigenen Universums waren. Mit Myles ist das anders. Vielleicht hat es damit zu tun, dass er eigentlich Gitarrist ist.
teleschau: Wie haben Sie sich kennengelernt?
Slash: Das war während der Aufnahmen zu meinem letzten Album. Ich hatte Myles zwar noch nie singen gehört, aber mir wurde viel Gutes über ihn erzählt. Also fragte ich ihn, ob er Lust hätte, zwei Songs auf dem Album zu singen. Wir flogen nach Los Angeles, um die Songs aufzunehmen und kamen so gut klar, dass ich ihn anschließend mit auf Tournee nahm.
teleschau: Stimmt es, dass er für Ihre Band Velvet Revolver mal vorsingen sollte, aber abgelehnt hat?
Slash: Zweimal sogar! Das erste Mal kam er einfach nicht zum Vorsingen, und das zweite Mal lehnte er ab, weil er seine Band Alter Bridge nicht im Stich lassen wollte. Aber genau das war eine der ersten Dinge, die ich an ihm mochte, ohne ihn zu kennen.
teleschau: Was haben Sie beide sonst gemeinsam?
Slash: Wir haben generell sehr ähnliche Persönlichkeiten. Er ist sehr bescheiden, und das würde ich von mir auch sagen. Wir sind beide eher ruhige Typen und ziemlich entspannt. Wir haben viele Gemeinsamkeiten. Und das öffnet die Türen für alles andere.
teleschau: Können Sie selbst eigentlich singen?
Slash: Ich kann eine Note halten, aber ich singe nicht gerne. Ich kann gar nicht sagen, warum, aber ich mochte es noch nie. Singen entspricht nicht meiner Persönlichkeit. Ich bin generell keine besonders redselige Person.
teleschau: Das mag man jetzt nicht unbedingt glauben ...
Slash: Ja klar, ich kann mich jetzt hier mit ihnen unterhalten, weil es um meine Platte geht und ich weiß, dass das dazu gehört. Aber generell kommuniziere ich nicht besonders gerne. Und jeder, der mit mir regelmäßig auf privater Ebene zu tun hat, wird bestätigen können, dass es schwierig ist, mich dazu zu bringen, meine Gefühle auszudrücken. In Anbetracht dessen habe ich wirklich keine Lust, das Ganze auch noch auf Papier zu bringen und jeden Abend vor tausenden Leuten zu singen (lacht).
teleschau: Ein Song auf Ihrem Album heißt "No More Heroes". Haben Sie noch Helden?
Slash: Oh ja, ich habe viele Helden. Ich will jetzt keinen besonders hervorheben, aber generell bewundere ich Leute, die lieben, was sie tun. Leute, die viel Leidenschaft haben, die integer sind und bis ans Ende der Welt gehen würden, um ihre Ziele zu erreichen.
teleschau: An wen denken Sie da?
Slash: Nun, das kann auf einen Maurer genauso zutreffen, wie auf einen Musiker, auf Piloten oder auf Künstler. Einfach auf alle, die engagiert sind, die von ihrer Sache überzeugt sind und für sie leben und atmen. "No More Heroes" ist übrigens der einzige, politisch motivierte Song auf dem Album.
teleschau: Das heißt?
Slash: Er ist beeinflusst von der aktuellen Lage der Politik in Amerika. Zwar handelt er nicht spezifisch von ihm, aber inspiriert ist er von Barack Obama. Und von der Art, wie sich alle fühlten, als er das erste Mal auf der Bildfläche erschien. Jetzt, fast vier Jahre später, erscheint auch er in einem anderen Licht. Aber die Texte stammen von Myles, deswegen rede ich darüber nicht so gerne.
teleschau: Dann sprechen wir über etwas anderes. Sie haben über die Jahre schon mit Künstlern wie Alice Cooper, Ray Charles oder Michael Jackson gearbeitet. Was hat man danach noch für Ziele?
Slash: Das werde ich oft gefragt. Aber ich bin nicht der Typ, der viel vorausdenkt. All diese Kollaborationen kamen aus heiterem Himmel oder durch ein zufälliges Treffen. Es ist einfach so passiert, ich habe mir das vorher nicht überlegt. Von daher - ich habe keine Liste an Dingen, nach denen ich strebe. Was passiert, passiert.
teleschau: Ihr nächstes Projekt ist ein Horrorfilm mit dem Titel "Nothing To Fear".
Slash: Das stimmt, er befindet sich derzeit in der Vorproduktion. Es war wirklich schwer, das Projekt finanziert zu bekommen. Aber ich habe ein großartiges Team und großartige Special-Effects-Leute. Viele wollten deshalb mitmachen, weil sie unbedingt mit dem Regisseur Anthony Leonardi III (Storyboard-Künstler bei Filmen wie "Rango" und "Wasser für die Elefanten", Anm. d. Red.) arbeiten wollten. Die Dreharbeiten starten in Kürze in Louisiana. Wenn er erstmal fertig ist, wollen wir in Zukunft zwei Filme pro Jahr drehen.
teleschau: Sind Sie großer Horrorfilm-Fan?
Slash: Ja, schon als Kind, als ich noch in England lebte, fand ich Horrorfilme toll. Und das blieb auch später in Amerika so. Dass ich jetzt selbst Filme mache, kam eher zufällig. Ich unterhielt mich mit einem befreundeten Produzenten über Horrorfilme, und er fand, dass ich ein natürliches Gespür für solche Filme hätte. Ein Jahr später tauchte er mit diesem wirklich guten Drehbuch auf. Also gründeten wir die Produktionsfirma "Slasher Films".
teleschau: Und was ist dabei Ihre Aufgabe?
Slash: Ich bin als Produzent in jeden Aspekt involviert, vom Casting bis zum Drehbuch. Splatterfilme waren in den letzten Jahren nicht besonders gut. Ich mag Horrorfilme, die eine Geschichte und Charaktere haben, die wirklich gruselig sind. Davon gab es in den letzten zehn oder vielleicht sogar 20 Jahren nicht viele. Genau solche Filme wollen wir machen.
Slash auf Deutschland-Tournee:
11.06., Mönchengladbach, Hockey Park
12.06., Berlin, Max-Schmeling-Halle
16.06., Twistringen, Reload Festival
20.06., Bamberg, Stechert Arena
Nadine Lischick





