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I Am AliveTrümmer und Trostlostigkeit

Lange Zeit sah es für den virtuellen Überlebenskampf "I Am Alive" nicht gut aus. Das ambitionierte Projekt wurde 2008 angekündigt und in den folgenden Jahren wegen mangelnder Qualität von Publisher Ubisoft erst auf Eis gelegt, dann einem anderen Entwicklerteam anvertraut und schließlich von Grund auf neu programmiert. Nun gibt es den bedrückenden Titel endlich für die Xbox 360 - wenn auch nur als Download-Game.

Ein Jahr nach einer furchtbaren Katastrophe, die ein Großteil der Erdbevölkerung ausgelöscht hat und von allen nur als das "Ereignis" bezeichnet wird, kehrt der namenlose Protagonist in seine Heimatstadt Haventon zurück. Die fiktive Millionenmetropole ist völlig zerstört und von einem Schleier aus Staub und Asche überzogen. Auf den von Autowracks verstopften Straßen herrschen Angst, Armut und Anarchie. Die wenigen Menschen, die noch am Leben sind, kümmern sich in erster Linie um ihr eigenes Wohl. In dieser trostlosen Trümmerlandschaft soll man Frau und Kind suchen - und sich ein letztes Maß an Menschlichkeit bewahren.

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Keine Frage: Die Macher von "I Am Alive" haben sich beim Aufbau von Survival-Klassikern wie "Silent Hill" inspirieren lassen. Das beginnt bereits damit, dass der eigene Held nicht mit Superkräften gesegnet ist, sondern Grenzen hat, die ihm in erster Linie durch seine schwindende Ausdauer aufgezeigt werden. Sobald man klettert, sprintet, über Abgründe springt oder sich durch die verstaubten Niederungen bewegt, sinkt diese unaufhörlich. Pausen helfen - vor allem beim kräftezehrenden Klettern. Aber auch aufgelesene Nahrungsvorräte können Ausdauer und Gesundheit wieder auf Vordermann bringen, sind jedoch äußerst rar. Wie alles andere in dieser postapokalyptischen Welt. Wer also zu einer ausufernden Kletterpartie aufbricht, um etwa für ein krankes Mädchen Medizin aus einer am Stahlträger baumelnden Versorgungskiste zu holen, weiß nie, ob die Kondition bis zum Ende ausreicht.

Ebenso spannend sind die Begegnungen mit nervösen Einzelgängern, rücksichtlosen Plünderern oder gar Kannibalen. Ubisoft lässt dabei Elemente wie Angst, Aggression und Gruppendynamik einfließen, was zu nervenzerfetzenden Situationen führt. Vor allem, wenn man sich einer Gruppe von Widersachern gegenüber sieht, die auf Konfrontation geht. Wer gleich die Pistole zückt, riskiert eine Schießerei, in der man angesichts der akuten Munitionsknappheit (selten befindet sich mehr als eine Kugel im Lauf) garantiert den Kürzern zieht. Lieber bluffen, das wehrlose Opfer spielen - und den siegessicheren Anführer mit einem Überraschungshieb ausschalten. Die übrige Meute versucht man, mit gezückter Waffe und gebrüllten Kommandos in Schach zu halten - und sie so womöglich in die Nähe eines Abgrundes oder einer Gefahrenquelle zu dirigieren.

Während seiner Suche, die den Helden kreuz und quer durch die zerstörte Stadt führt, trifft er auch auf verletzte Überlebende. Versorgt er diese etwa mit einem Erste-Hilfe-Paket, erhält er Hintergrundinformationen zur Katastrophe, Extrapunkte, die sein Gesamtergebnis verbessern, sowie zusätzliche Speichermöglichkeiten. Allerdings verschenken die Macher hier enormes Potenzial, das beispielsweise Gewissensentscheidungen mit sich bringen würden.

Aber auch ohne Moralkeule ist "I Am Alive" ein ebenso beeindruckendes wie bedrückendes Spiel geworden, das in knapp fünf Stunden mehr Spannung und Atmosphäre bietet als so mancher Vollpreistitel. Akute Farbarmut und das körnige Bild vermitteln sowohl den Staub als auch die Hoffnungslosigkeit derart glaubwürdig, dass man nur zu gerne über kleinere Grafikmacken hinwegsieht.

Artur Hoffmann

Game
SpielnameI Am Alive
HerstellerUbisoft Shanghai
VertriebUbisoft
GenreAction-Adventure
Erhältlich ab07.03.2012
Preisca. 15 Euro
EAN Code1234567890123
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 16 Jahren
Multiplayernein
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtgut

Erhältlich für:
Xbox 360

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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