Games / Spieletests

Kinect Star WarsMächtiger Muskelkater

Möge der Nerd damit mächtig glücklich werden. Pünktlich zum Verkaufsstart des Spiels "Kinect Star Wars" schnürte Microsoft ein Xbox-360-Paket, das trotz des deftigen Preises von rund 400 Euro reißenden Absatz finden dürfte. Das Design von Konsole und Controller orientiert sich an den beiden aus George Lucas' Sci-Fi-Saga bekannten Droiden R2-D2 und C-3PO. Die Kinect-Kamera und das enthaltene Headset sind dagegen in schlichtem Weiß gehalten. Netter Gag: Beim Anschalten und Öffnen des DVD-Laufwerks ertönen die Fieptöne von R2-D2. Derlei charmante Spielereien sind auch nötig, um über die vielen technischen Ungereimtheiten von "Kinect Star Wars" hinwegzusehen.

Das Spiel, das im Verbund von LucasArts, Terminal Reality und Good Science entstand, gilt aufgrund der starken Marke und des hohen zweistelligen Millionenbudgets als wichtigster Titel des Jahres für Microsofts Kinect - eine Xbox-360-Erweiterung, die mithilfe einer Kamera alle Bewegungen des Spielers erfasst und auf den Bildschirm überträgt. Entsprechend groß sind die Erwartungen - zumal hier auch Kindheitsträume wahr werden sollen: Endlich darf man selbst das Lichtschwert schwingen, dank der ominösen Macht Dinge durch die Luft schweben lassen und sich ein bisschen als Jedi-Ritter fühlen. Theoretisch zumindest ...

"Kinect Star Wars" ist im Grunde ein Sammelbecken für fünf unterschiedliche Spiele, von denen jedes seinen Reiz und auch seine Schwächen hat: Im Mittelpunkt steht das Abenteuer "Jedi-Vorsehung: Aufstieg der dunklen Seite", in dem man sich als junger Padawan - begleitet von "Krieg der Sterne"-Promis wie Meister Yoda, Mace Windu oder Obi Wan Kenobi - durch die Wirren der Klonkriege und eine oberflächliche Geschichte kämpft. Bis man das Finale auf dem Planeten Coruscant erreicht, wird viel geboten: Man düst wie in der Filmvorlage "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" auf Gleitern durch den Wald, liefert sich rasante Raumgefechte und kämpft sich zu Fuß durch Heerscharen von Kopfgeldjägern und Droiden.

Dabei bewegt sich der eigene Jedi-Schüler halbautomatisch durch die Level. Hindernissen weicht man mit einem Schritt zur Seite aus, Baumstämme und Abgründe werden mit einem Hopser vor der Kamera überwunden. Und wer einen Schritt nach vorne macht, sprintet mit seinem Computer-Alter-Ego in Richtung der Gegner, um sie fachgerecht zu zerlegen oder per Machtgriff durch die Gegend zu schleudern.

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Das alles klappt mal mehr, mal weniger gut. Einzelne Bewegungen werden zwar recht präzise erfasst. In rascher Folge allerdings wird ein Glücksspiel daraus, welche Fuchtelaktion wann ausgelöst wird. Entsprechend leidet die Vorstellung, ein echter Jedi zu sein, mitunter gewaltig - auch wenn die Macher beteuern, eine ähnlich geringe Verzögerung wie bei "echten" Controllern zu erreichen.

Wie es besser geht, zeigen die aus "Episode 1" bekannten "Podrennen" - der zweite, recht umfangreiche Modus. Hier werden - ebenfalls von einer kleinen Geschichte umrahmt - Schwebeflitzer mit minimalen Lenkbewegungen durch Wüsten und Pilzwälder gelotst, per Turbo-Schub (beide Arme werden nach vorne gestreckt) an die Spitze des Teilnehmerfeldes katapultiert und Konkurrenten von der Strecke gedrängt. Gute Platzierungen schalten nette Extras wie Reparaturdrohnen und Verteidigungsmaßnahmen frei. An grobschlächtige Spieler richtet sich die unkomplizierte und unterhaltsame "Rancor Zerstörungsorgie". In Godzilla-Manier stapft man dabei mit dem titelgebenden Ungetüm durch Siedlungen, zerdeppert Häuser, wirft, isst oder plättet Passanten - und erfüllt dabei kleine, vom Programm gestellte Aufgaben wie "Zerschmettere zehn Kampfdroiden". Nichts für lange Konsolenabende, sondern eher als Gag gedacht - vor allem, wenn man zu zweit mit den Rancors randaliert.

Die letzten beiden Modi könnten unterschiedlicher nicht sein: Während sich hinter dem Begriff "Duelle des Schicksals" anspruchsvolle Lichtschwert-Keilereien mit bekannten "Star Wars"-Schurken wie Count Doku oder gar Darth Vader verbergen, in denen deren Angriffe erst geblockt werden müssen, ehe man selbst austeilen darf, bewegt sich der "galaktische Tanzwettbewerb" irgendwo zwischen launigem "Dance Central"-Klon und reiner Blasphemie. Zu umgedichteten Popsongs der letzten 15 Jahre - aus Christina Aguileras "Genie in a Bottle" wurde hier beispielweise "Princess in a Battle" - müssen vorgegebene Choreographien wie die "Müllpresse", der "Doppel-Blaster" oder der "Chewie-Knuddler" nachgeahmt werden. Aber Han Solo als Vortänzer zu Jason Derulos "Ridin' Solo"? Und das vor der Cryokammer, in die er im Film gesteckt wird? Humor ist's wohl, wenn der Fan trotzdem lacht ...

Weniger amüsant ist dagegen die Präsentation von "Kinect Star Wars". Grafisch hat man in der langen Entwicklungszeit schlicht den Anschluss verpasst, was klobige Figuren, matschige Texturen und zahlreiche kleine Patzer deutlich vor Augen führen. Schlimmer noch ist allenfalls die deutsche Synchronstimme des Droiden C-3PO, der zusammen mit R2-D2 als Gastgeber fungiert. Die Art der Kommentare und eingestreuten Slapstick-Einlagen fallen klar in die Kategorie "Jar Jar Binks".

Fazit: Das von Fans herbeigesehnte, ernste und fordernde Spiel ist "Kinect Star Wars" nicht geworden. Vielmehr versuchte das Entwickler-Konglomerat zwanghaft, eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen - und landete damit zwischen allen Stühlen. Die Faszination der Science-Fiction-Saga mag sich aufgrund technischer Schwächen jedenfalls nur bedingt einstellen. Ganz im Gegensatz zu dem Muskelkater, der nach ein paar Stunden vor der Kinect droht ...

Gerd Hilber

Game
SpielnameKinect Star Wars
HerstellerTerminal Reality/Lucas Arts
VertriebMicrosoft
GenreAction-Adventure
Erhältlich ab03.04.2012
Preisca. 50 Euro
EAN Code0885370316087
SchwierigkeitFür Einsteiger
Alterab 12 Jahren
Multiplayer1-2
Bewertung Grafikbefriedigend
Bewertung Steuerungbefriedigend
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassbefriedigend
Bewertung Gesamtbefriedigend

Erhältlich für:
Xbox 360

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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