Wer bis heute noch immer kein Bäumchen gepflanzt hat, dem bietet sich nun die perfekte Gelegenheit: Ab in den putzigen PC-Kleinst-Kosmos von "Botanicula" - und einen Samen bei seiner abenteuerlichen Reise zu fruchtbarem Boden beschützen!
Einmal mehr verzückt der tschechische Entwickler Amanita Design ("Machinarium", "Samarost") seine Fans mit einem kindlich-künstlerischen Point&Click-Märchen, das vor Kurzem mit dem Independent Game Award ausgezeichnet wurde und die eng gesteckten Grenzen des altehrwürdigen Adventure-Genres auf angenehm inspirierte Weise aufbricht: Statt einer einzigen Figur übernimmt der Spieler in "Botanicula" eine Rasselbande possierlicher Baumwesen, die durch einen Mikrokosmos voller bizarrer Wunder, skurriler Krabbeltierchen und sphärischer Lichterscheinungen wandern.
Gemeinsam wollen die drolligen Kreaturen die letzte Saat eines ganz besonderen Baumes auf ihrer Reise zu fruchtbaren Gründen begleiten und vor den Übergriffen durch bösartige Parasiten beschützen. Diese sind optisch stark abstrahierte visuelle Platzhalter für ein zerstörerisches Konzept: Ob es sich bei den pechschwarzen, knurrenden Kügelchen mit den tentakelartigen Gliedmaßen um menschengemachte Feinde oder natürlich Fressbazillen handelt, bleibt der Vorstellung des Spielers überlassen.
Spielerisch gibt sich der abstrakte, aber zugleich märchenhaft schöne, miniaturisierte Garten Eden einfallsreich und freimütig. Zuweilen ist es die schlichte Freunde am Entdecken, die hier in 150 erkundbaren Schauplätzen und rund sechs Stunden Spielzeit gefördert wird. Aber gerade deshalb wird sich manch ein Adventure-Profi unterfordert fühlen: Obwohl man die eine oder andere kleine Kopfnuss ins Spiel wirft, sind die meisten Rätsel durch fleißiges Ausprobieren und Abgrasen der Umgebung zu ergründen.
Nicht zuletzt deshalb ähnelt der spielerische Unterbau von "Botanicula" einer Wimmelbildsuche. Einige Male an der richtigen Stelle geklickt, und schon krabbeln, marschieren oder kriechen alle möglichen, putzig animierten Lebensformen durch das mikroskopisch kleine Öko-Szenario oder docken filigran gezeichnete, federartige Gegenstände und Schlüsselchen bei der Rasselbande an, damit man sie einige Bildschirme weiter ihrem Einsatzzweck zuführt.
Auch Kooperationen zwischen den Mitgliedern des possierlichen Miniatur-Teams werden durch experimentelles Klicken ausgelöst: Will man etwa an einen Gegenstand herankommen, der von bellenden Puscheln bewacht wird, klickt man der Reihe nach alle fünf Helden und beobachtet Mrs. Mushroom, Mr. Lantern, Twig, Poppy Head und Mr. Feather, wie sie sich dabei abmühen, den aggressiven Wächter abzulenken, zu übertölpeln, überfliegen oder umgehen, um ihm schließlich doch noch sein Kleinod abzuluchsen.
Apropos: "Botanicula" ist ein Juwel für jeden, der Independent-Adventures mit einer künstlerischen Note schätzt und dem eine virtuose bildhafte Erzählung wichtiger ist als die Überstimulation seiner grauen Rätselzellen. Wer jedoch lieber grübeln statt kindlich staunen möchte, der ist hier falsch.
Robert Bannert
| Game | |
|---|---|
| Spielname | Botanicula |
| Hersteller | Amanita Design |
| Vertrieb | Daedalic |
| Genre | Adventure |
| Erhältlich ab | 27.04.2012 |
| Preis | ca. 25 Euro |
| EAN Code | 4009750502334 |
| Schwierigkeit | Für Einsteiger und Fortgeschrittene |
| Alter | ab 0 Jahren |
| Multiplayer | nein |
| Bewertung Grafik | sehr gut |
| Bewertung Steuerung | gut |
| Bewertung Sound | sehr gut |
| Bewertung Spielspass | gut |
| Bewertung Gesamt | sehr gut |
Erhältlich für:
Mac OS X, PC














