Es war keine leichte Entscheidung: Vor wenigen Tagen gab Against Me!-Frontmann Tom Gabel bekannt, dass er künftig als Frau leben werde. Der 31-jährige Punkrock-Sänger ist transsexuell und hatte die Courage, sich öffentlich zu outen. "Ich werde peinliche Momente erleben", erklärte der Vater einer Tochter im Interview mit der US-Ausgabe des Musikmagazins "Rolling Stone". "Das wird nicht lustig sein. Unter anderem erzähle ich euch deswegen davon. Ich hoffe, die Menschen werden mich verstehen und mir freundlich begegnen." Viele transsexuelle Menschen könnten durch Gabels offenen Umgang mit seiner Transidentität den Mut fassen, sich auch zu ihrem Wunsch nach einem Leben mit der gefühlt richtigen Identität zu bekennen. Erste Informationen dazu bietet das Internet.
Eine Übersicht darüber, was es bedeutet, transsexuell zu sein, gibt die Website www.transsexuell.de. Webmasterin Airin berichtet dort über ihren eigenen Weg vom Mann zur Frau und in Teilen wieder zurück zu einer männlichen Identität. "Im Laufe der Zeit habe ich für mich erkannt, dass ich über die Mann-Frau-Dualität hinauswachsen und die nur scheinbaren Gegensätze in mir vereinigen konnte", beschreibt Airin sich selbst. Anderen Betroffenen rät sie, in sich hineinzuhören: Tests, wie es sie zuhauf im Web gibt, seien keine verlässliche Möglichkeit, um sich über die eigene Identität klarzuwerden. Auch die verschiedenen Begrifflichkeiten, wie Transsexualität, Transidentität und Transvestitismus werden auf ihrer Website behandelt.
Ziel von Airins Webpräsenz ist es, einen ersten Eindruck über das Leben als transsexueller Mensch zu geben. Tiefergehende Informationen zum Thema finden sich auf dem Auftritt der "Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V." (www.dgti.org). Neben einer Liste mit bundesweiten Beratungsstellen erläutert der Verein auch die medizinischen und psychologischen Aspekte, die eine Änderung der Geschlechtsidentität mit sich bringt. Besonderes Augenmerk legen die Verantwortlichen auf eine Hilfestellung für Eltern, deren Kinder sich im falschen Körper geboren fühlen. Für sie sind auf der Website Musterbriefe und Broschüren hinterlegt.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Transsexuelle bereits im Kindesalter merken, dass mit ihnen irgendetwas "nicht stimmt". Diese Erfahrung machte auch der Leichtathlet Balian Buschbaum, der als Mädchen geboren wurde. "Ich hatte eine schöne Kindheit, bis auf einen gravierenden Punkt: Ich steckte im falschen Körper", schreibt Buschbaum in seinem Buch "Blaue Augen bleiben blau" (erschienen im Fischer Verlag). In seiner Autobiografie behandelt der ehemalige Stabhochspringer seinen Wandel von der Frau zum Mann, auf www.balian-buschbaum.de gibt er einen ersten Einblick in seine Persönlichkeit und verrät, dass er natürlich im Stehen pinkelt und welcher Typ Frau ihn fasziniert. Außerdem leistet er auf Nachfrage Aufklärungsarbeit in Schulen.
Aufklärung hat sich auch der Verein "ATME e.V." (atme-ev.de) auf die Fahnen geschrieben. Die Organisation engagiert sich für die Menschenrechte Transsexueller. Sie fordert beispielsweise, dass Betroffene ab dem Zeitpunkt ihres Outings geschlechtlich als Mann beziehungsweise Frau anerkannt werden oder ein Anrecht auf eine wunschgemäße, von der Krankenkasse finanzierte, medizinische Behandlung erhalten.
Transsexualität ist inzwischen in den Medien und im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen. Doch der Weg, den Transsexuelle gehen müssen, um nach ihren Vorstellungen glücklich werden zu können, ist nach wie vor hart - gerade, wenn sie wie Balian Buschbaum oder Tom Gabel in der Öffentlichkeit stehen. Sie erhielten auf ihr Outing jedoch viele positive Resonanzen, die besonders Tom Gabel sehr bewegten. Auf Twitter drückte er es folgendermaßen aus: "Ich danke Euch allen so sehr für die Unterstützung und die Liebe. Es ist wirklich beeindruckend und inspirierend. Für mich verändert es mein Leben."
Christina Freko






