Web / Reportage

Die kleine Schwester der Tagesschau

Die ARD stellt die tagesWEBschau vor

Das geht ja gut los: Erst konnte man schon vor dem offiziellen Beginn der Onlinepressekonfernz Moderator Andreas Neumann beim letzten Vorgespräch belauschen, dann fiel während der Schalte zu ARD-aktuell-Chefredakteur Dr. Kai Gniffke der Ton aus. Der nahm's gelassen: "Man kann ja nicht ein Internetformat auf Kiel legen und dann mit den Tücken des Formats nicht leben wollen", meinte er, bevor er seine Antwort wiederholte. Zumal Liveschalten voraussichtlich auch nicht zum Repertoire der tagesWEBschau gehören werden, die am Montag, 4. Juni, erstmals auf Sendung geht.

Als "kleine Schwester der Tagesschau" kündigte Jan Metzger, Intendant der federführenden ARD-Anstalt Radio Bremen, die tagesWEBschau an: "Wir werden die Themen des Tages aufgreifen, aber durch den Blickwinkel des Netzes erzählen, auch Kommentare aus dem Social Web einbinden." Und zwar in aller Kürze: Drei Beiträge, die ein Sprecher in flottem Tempo aus dem Off moderiert, umfasst die Pilotsendung; nach knapp drei Minuten ist der Zauber wieder vorbei.

Die Themen reichen dabei von Web-Protestbewegungen saudi-arabischer Frauen über kreative Heiratsanträge bei YouTube bis hin zu aktuellen Entwicklungen im Verfahren um WikiLeaks-Gründer Julian Assange - Dinge, die im Rahmen der 15-minütigen Tagesschau oft zu kurz kämen, wie deren Chefredakteur Dr. Kai Gniffke einräumt. Die tagesWEBschau soll diese Lücke schließen. Und, wenn es nach Radio-Bremen-Programmdirektor Jan Weyrauch geht, natürlich jüngere Zuschauer an die Tagesschau heranführen.

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Doch als Marketingmaßnahme will Gniffke das neue Format nicht verstanden wissen: Schließlich habe man bei der ARD den Auftrag, Leute zu informieren - und zwar auch junge. Und die "wollen keine albernen Inhalte, sondern seriös informiert werden." Wobei die Sendeplätze und -zeiten nicht gerade nach höchster Priorität klingen: Auf ihren Digitalkanälen strahlt die ARD die tagesWEBschau, ab Montag, 4. Juni, werktäglich aus, zwischen 16.45 Uhr und 17.00 Uhr bei Tagesschau24, um 21.42 Uhr bei EinsPlus und ab 23.00 Uhr bei EinsFestival.

Allerdings wird das Format über das Netz naheliegenderweise auch im Netz stattfinden, nämlich auf den Webseiten der "jungen Radios der ARD". Dort können die Zuschauer direkt auf weiterführende Links und Hintergrundberichte zugreifen, vorherige Ausgaben abrufen und Beiträge per Social Network ihren Freunden empfehlen. Eine eigene App sei vorerst nicht in Planung, die Einbindung in die Tagesschau-App für Gniffke jedoch ein naheliegender Schritt.

Es wirkt vielversprechend, dieses Projekt, das die Verantwortlichen vorsichtig als "Experiment mit offenem Ausgang" bezeichnen. Man darf hoffen, dass dieses gelingt - und es dann vielleicht auch einen Sendeplatz erhält, auf dem es auch Zuschauer über 30 finden. Schließlich ist das Internet längst kein reines Jugendthema mehr.

Annekatrin Liebisch

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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