Seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen war durchaus eine Sensation: Nachdem der beidseitig beinamputierte Sprinter Oscar Pistorius bei vergangenen Paralympics schon mehrfach Gold holte, trat er in London als erster behinderter Athlet überhaupt gegen Sportler ohne Handicap an. Eine Medaille gewann er mit seiner südafrikanischen 4 x 400 Meter Sprintstaffel zwar nicht. Aber er zeigte, dass zwei Beinprothesen kein Hindernis sein müssen, um im Spitzensport mitzumischen. Was trotz körperlicher Einschränkung alles möglich ist, beweisen Wettkämpfer vom 29. August bis 9. September bei den Paralympischen Spielen in insgesamt 16 Disziplinen.
Bogenschießen, Reiten, Radsport, Judo, Rollstuhlfechten, Segeln, Schwimmen - diese und weitere Sportarten listet die Website www.paralympics2012.de als Wettkampfdisziplinen. Zudem erfährt man, dass die Paralympics auf den Neurologen Ludwig Guttmann zurückgehen, der 1948 erstmals sportliche Wettbewerbe mit britischen Kriegsversehrten austragen ließ. 1960 fanden in Rom schließlich die ersten offiziellen Paralympischen Spiele statt, bei denen 23 Nationen ihre Sportler in den Medaillenwettkampf schickten.
Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) gründete sich allerdings erst weit nach dieser Premiere: 1989 schlossen sich die zahlreichen nationalen Komitees unter dem Dachverband zusammen. Unter www.paralympic.org - übrigens die einzige barrierefreie Plattform dieser Liste - präsentiert das IPC seine Arbeit und informiert im Media Center über die neuesten Ereignisse aus dem Behindertensport. Im Veranstaltungskalender finden sich aktuelle Daten internationaler Wettkämpfe, und unter der Rubrik "Athletes" wird angehenden Olympioniken erklärt, wie sie am besten ihre sportliche Karriere aufbauen.
Selbstverständlich ist auch der Deutsche Behindertensportverband e. V. Mitglied des IPC. Auf den Seiten der Organisation (www.dbs-npc.de) ist zu erfahren, dass es ein Klassifizierungssystem für Sportler mit Handicap gibt. Ähnlich wie beispielsweise bei den Gewichtsklassen im Boxen werden sie in Gruppen mit ähnlichen Stärken und Schwächen eingeteilt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Chancengleichheit besteht und die Sportler motiviert werden, an Wettkämpfen teilzunehmen. Für Körperbehinderte und geistig Behinderte gibt es jeweils ein eigenes Klassifizierungssystem. Auch die Nachwuchsförderung ist ein zentrales Thema des Verbandes.
Als Vorbild könnte den Jungsportlern beispielsweise die einbeinige Schwimmerin Christiane Reppe dienen. Die 25-Jährige begann ihre sportliche Karriere auf Skiern und wechselte schließlich ins Schwimmbecken. Auf ihrem Blog (christiane-reppe.blogspot.de) lässt sie ihre Fans an ihrem Alltag zwischen Wasser und Engagement für den Behindertensport teilhaben. Zudem berichtet sie darüber, wie es ist, für ARD und ZDF das Gesicht der Paralympics zu sein. Sogar in ihrer Freizeit kann Christiane Reppe nicht vom Schwimmen lassen: Ein Foto aus dem Kurzurlaub am Großen Lychensee zeigt sie - natürlich - im Wasser.
Mit dem nassen Element haben die Judokas Carmen und Ramona Brussig nichts am Hut. Die Schwestern sind sehbehindert und legen seit 1998 (Ramona) beziehungsweise seit 2005 (Carmen) erfolgreich ihre Gegnerinnen auf die Matte. Die gemeinsame Website der gebürtigen Leipzigerinnen (www.brussig.ch) listet nicht nur ihre sportliche Bilanz, sondern beinhaltet auch einen Steckbrief zu jeder der beiden Kämpferinnen.
Ein Steckbrief ist dem Radsportler Wolfgang Sacher offenbar zu profan: Auf seiner Website (www.wolfgangsacher.de) wirbt er für seine Autobiografie "Der einarmige Bandit". Nach einem schweren Unfall in seiner Jugend musste Sacher der linke Arm amputiert werden. Es folgte eine Depression, die durch die Bekanntschaft mit seiner jetzigen Frau ein Ende fand. Für sie begann er, abzunehmen und Sport zu treiben - und landete schließlich auf dem Rad. Der Weg zum paralympischen Medaillenjäger und Weltmeister im Straßenrennen war geebnet. Seine Erfahrungen bringt der Sportler nicht nur im Wettkampf, sondern auch beim Engagement für barrierefreien Sport oder die Bayerische Sportstiftung ein. Dass er auch bei den Paralympics in London wieder sein Bestes geben wird, darf als sicher gelten.
Die beiden prominentesten Sportler dürften indes Wojtek Czyzy und Ilke Wyludda sein. Der 32-jährige Czyz (http://wojtekczyz.de) holte Goldmedaillen sowohl in Athen als auch in Peking und tritt diesmal über 100, 200 Meter und im Weitsprung an. Ilke Wyludda wurde Olympiasiegerin im Diskuswerfen 1996. Ende 2010 musste sie sich einer Amputation des rechten Unterschenkels unterziehen. Nun startet sie bei den Paralympics.
Christina Freko





