Nach den jüngsten Tarifabschlüssen in der Zeitarbeitsbranche wird es vorerst kein Gesetz zur Gleichstellung von Zeitarbeitern und Stammbeschäftigten geben.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sagte am Mittwoch,
tarifliche Lösungen hätten aus ihrer Sicht
"Vorfahrt" vor einer gesetzlichen Regelung. Bis zum
Herbst will die CDU-Politikerin weiteren Branchen Zeit geben,
selbst etwas für die Angleichung der Löhne zu tun. Nur
wenn die Arbeitgeber nicht selbst aktiv werden, will die
Ressortchefin eingreifen. Auch eine gesetzliche
"Höchstverleihdauer" für Zeitarbeiter lehnte
sie ab.
Einer aktuellen Studie zufolge verdienen Zeitarbeiter in
Deutschland ein Drittel bis die Hälfte weniger als fest
angestellte Arbeitnehmer gleicher Qualifikation. Einige
Industriezweige haben angefangen, gegen diese Ungleichheit
anzugehen: In den vergangenen Monaten vereinbarten mehrere Branchen
- Stahl, Metall/Elektro und Chemie -, die Löhne der
Leiharbeiter an die der Stammbelegschaft heranzuführen oder
komplett anzugleichen.
Von der Leyen sagte dem "Handelsblatt", sie habe
"großen Respekt" vor diesen Entscheidungen. Und
ebenso begrüße sie, dass Ähnliches jetzt in anderen
Branchen wie Gesundheit, Druck, Logistik und Verkehr vorbereitet
werde.
Am Montagabend hatte sich von der Leyen mit
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und dem Chef des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, zusammengesetzt, um die
Entwicklungen in der Zeitarbeit zu bewerten. Im November wollen
sich die drei erneut treffen, wie eine Sprecherin des
Bundesarbeitsministeriums ankündigte. Bis dahin hätten
weitere Branchen die Möglichkeit, etwas an der Bezahlung ihrer
Zeitarbeiter zu ändern. Geschehe dies nicht, werde von der
Leyen über weitere Schritte nachdenken. Bislang sei die
Ministerin jedoch optimistisch, dass weitere Branchen dem Beispiel
der Stahl-, Metall- und Chemieindustrie folgen.

