
Acht perfekte Morde
Der Inhaber eines alten, kleinen Buchladens hat mal eine Liste der perfekten Morde in der Literaturgeschichte zusammengestellt. Zehn Jahreist das nun her, dass er diese Liste ins Internet gestellt hat. Plötzlich steht eine FBI Agentin bei ihm im Laden, denn es gibt eine geheimnisvolle Mordserie. Und die Morde haben Ähnlichkeit mit den perfekten Morden von dieser Buchliste. Und jetzt ist die Frage: hat dieser Buchladenbesitzer etwas mit der Mordserie zu tun? Irgendwas versucht er jedenfalls zu verheimlichen. Das ist sehr klassischer Krimistoff, der in seiner Machart ein bisschen an Agatha Christie erinnert. Sie wird auch mehrmals zitiert. Wie andere Buchklassiker auch. Sehr kurzweilig. Acht perfekte Morde von Peter Swanson (blanvalet)
Der Zirkel
Vorne auf dem Buch steht drauf: Sie wollen dich - sie finden dich. Klingt reisserisch. Sooo ein Reisser ist das Buch aber gar nicht. Der Zirkel von Leon Sachs, der lebt übrigens in Bonn, beginnt mit drei Toten in drei verschiedenen Ländern. Es macht erst nicht den Anschein als bestünde ein Zusammenhang. Der besteht aber - Überraschung - sehr wohl. Die Polizeianwärterin Johanna bekommt diesen Zusammenhang heraus. Sie hat nämlich mit allen drei Opfern was zu tun gehabt. Das Hochaktuelle daran: die Geschichte wird politisch. Es geht um Rechtspopulismus, es geht um Wahlmanipulation. Gutes, zeitgemäßes Thema. Man hätte aus der Thematik sogar noch mehr rausholen können. Die Story ist insgesamt gut geschrieben und auch spannend. Zwischendrin allerdings etwas langatmig, da wird oft zu viel ausgeschmückt. (Der Zirkel, Leon Sachs, Penguin)
Die Klimakämpfer
Ein Sachbuch, das voll in diese Zeit passt! Es werden Menschen porträtiert, die weniger denken sondern mehr machen. Typen die es mehr denn je braucht. Ein Beispiel: Stephan Wrage aus HH hat eine Art Lenkdrachen entwickelt. Den lässt er in 400m Höhe steigen. Dort wo beständig Wind weht. Und dank Tüftelkunst und KI fliegt der Drache automatisch immer dort, wo der Wind am stärksten weht. Über die "Drachenschnur" - und das ist jetzt wirklich laienhaft erklärt - wird die "Wind"-Kraft auf einen Generator am Boden übertragen, der dadurch Strom erzeugt. Und zwar so viel, dass 200 Haushalte damit versorgt werden könnten. Klingt total spleenig, ein Kinderspielzeug als Ökostromlieferant. Aber genau solche Menschen, die mal mutig anders denken, brauchen wir. Und diese Idee wird mittlerweile vermarktet. Soll u.a. demnächst auf einem Feld auf Maritius Strom liefern. Und sogar der Energieversorger RWE hat laut Buch so eine Anlage bestellt. Das ist ein Beispiel von mehreren im Buch Die Klimakämpfer aus dem Penguin Verlag.
Feuer und Blut
Was für ein Fantasy Wälzer. Das ist das erste Buch dieser Art, das ich (Sven Jaworek) lese. Und ich brauchte erstmal, um mich ins Buch reinzufuchsen. Die vielen Namen, deren Aussprache und zudem noch die unterschiedlichen Orte. Das ist sehr viel Stoff, der dem Leser da um die Ohren gehauen wird. Feuer & Blut ist ja die Vorgeschichte zu Game of Thrones. Drei Jahrhunderte vor der Kultserie. Ich gucke auch parallel die Serie House of the Dragon. Im Grunde eine Familiensaga ums Königshaus Targaryen. Mit Intrigen und Gewalt und Sex. Durch die Serie hab ich beim Lesen jetzt oft Bilder im Kopf - das hilft mir durch die Geschichte. Die ansonsten natürlich im Buch viel ausschweifender und komplexer beschrieben ist. Mein Fazit: das ist eher was für Hardcore Fans und nichts für Neueinsteiger wie mich. (Feuer und Blut, George R.R. Martin, Penhaligon Verlag)
Future
Es geht in die Zukunft aber auch in die Vergangenheit. In FUTURE geht es um zwei College-Freunde, Computerfreaks, die einen Quantencomputer entwickeln, mit dem sie auf das Internet zugreifen können - und zwar wie es in einem Jahr sein wird! Sie haben also eine Art Zeitreise Maschine entwickelt. Was für ein Ding! Du kannst Börsencrashs vorhersehen, du kannst die Weltlage vorhersehen, politische Skandale. Die beiden gründen das Start Up The Future. Vermarkten das Ganze, nehmen damit Millionen ein. Dann aber die Entdeckung: die Menschheit wird in einem Jahr vernichtet sein. Was hat dieser Quantencomputer damit zu tun? Super spannender Lese-Stoff, der mit vielen Zeitsprüngen arbeitet. Haken: die Geschichte besteht vor allem aus dem Inhalt von E-Mails und Ausschussprotokollen und Kurznachrichten und Versuchsberichten. Also viele kleine Kapitel. Das ist mal was anderes. Das über 400 Seiten so durchzuziehen - da kommt leider kein richtiger Lesefluss zustande. Es liest sich eben nicht zusammenhängend. Ansonsten aber eine top Story. (Future, Dan Frey, Heyne)
Die Diplomatenallee
Wir werden mitgenommen nach Bonn ins Jahr 1974. Im Diplomatenviertel betreibt die Protagonistin der Geschichte - Heike - einen Schreibwarenladen. Der Laden ist so unscheinbar wie Heike selbst. Sie ist Mutter und Ehefrau. Warum ausgerechnet soll diese Frau von der DDR angeworben werden? Ich kann es hier erzählen, ohne zu spoilern: weil sie einst eine sehr talentierte Graphologin war. Also eine, die Handschriften auslesen kann. Als sie signalisiert, dass sie kein Interesse hat im DDR Dienste zu arbeiten wird sie erpresst und zwar mit ihrer eigenen Vergangenheit. Das riecht nach Spionen und Agenten. Sicher wird es viele UrbonnerInnen geben, die sich dieses Leben damals noch bildhaft vorstellen können. Es ist eine über viele Strecken spannende Geschichte die darüber hinaus noch einen Einblick in die Graphologie gibt. (Annette Wieners, Die Diplomatenallee, blanvalet)