
"Cum-Ex-Architekt": Prozessbeginn am Bonner Landgericht
Von heute Vormittag an muss sich eine wohl zentrale Figur beim Betrug mit den sogenannten Cum-Ex-Aktiendeals am Bonner Landgericht verantworten: Hanno Berger, der als Architekt der Deals beschrieben wird.
Veröffentlicht: Montag, 04.04.2022 04:47
Er soll eine Bank zur Aufnahme dieser Geschäfte bewogen und dann maßgeblich dabei geholfen haben, die dafür nötigen Strukturen einzurichten. Der 71-Jährige soll außerdem weitere Banken und Privatinvestoren entsprechend "beraten" haben. Dabei wurden Aktien mit ("cum") und ohne Dividende ("ex") von Investoren und Banken hin- und her gehandelt, dann wurden mehrfach Kapitalertragssteuern für die Dividenden vom Staat zurückgefordert, die aber vorher gar nicht gezahlt worden waren - die Aktienhändler griffen also unberechtigt ins Steuersäckel. Diese Cum-Ex-Deals kosteten den Staat insgesamt einen zweistelligen Milliardenbetrag. Hanno Berger wird daher schwere Steuerhinterziehung vorgeworfen. Der Schaden soll 278 Millionen Euro betragen haben. 2012 hatte sich Berger in die Schweiz abgesetzt, das Oberlandesgericht in Frankfurt hatte das als Flucht gewertet. Die Schweiz hatte ihn aber nun wieder ausgeliefert. Ein Urteil soll es Ende Juli geben. Dies wird aber nicht der einzige Prozess gegen den Mann sein: Auch am Landgericht in Wiesbaden beginnt am 12. April ein weiterer Prozess gegen ihn. CM