
Tennis
New York (dpa) - Geduldig posierte Jelena Rybakina im edlen weißen Hosenanzug auch vier Stunden nach ihrem Triumph bei den US Open noch für die offiziellen Siegerfotos. Mit geschlossenen Augen küsste die Kasachin am späten Abend vor dem Springbrunnen am Arthur Ashe Stadium die silberne Trophäe. «Es fühlt sich unglaublich an», schwärmte die neue Nummer eins der Tenniswelt. «Es ist immer noch schwierig, zu verarbeiten, was passiert ist. Es sind zu viele Erfolge in wenigen Wochen.»
Diese sind eng verbunden mit ihrer Finalgegnerin. Mit dem hart umkämpften 6:4, 5:7, 6:2 gegen Aryna Sabalenka sicherte sich Rybakina ihren ersten Titel beim Grand-Slam-Turnier in New York. Von Montag an übernimmt die 27-Jährige zudem erstmals die Weltranglistenspitze von der Titelverteidigerin aus Belarus.
Rekordpreisgeld für Rybakina
Mit leerem Blick verfolgte Sabalenka, wie ihre Dauerrivalin bei der Siegerehrung den Scheck über das Rekordpreisgeld von 5,5 Millionen US-Dollar (4,74 Millionen Euro) erhielt. «Genieß es», sagte die 28-Jährige zu Rybakina, nachdem sich im ersten Frust über die Niederlage einen Schläger zerhackt hatte. Zudem verscheuchte sie eine Kamera mit unflätiger Beleidigung. In ihrer Rede hatte sie sich wieder gefangen, riet augenzwinkernd ihrer Gegnerin: «Hab Spaß heute, morgen und bis zum Ende der Saison, so dass ich auch ein paar Titel gewinnen kann.»
Schon bei den Australian Open hatte Rybakina im Finale gegen Sabalenka triumphiert, zum 18. Mal standen sie sich nun bereits gegenüber. Das Dauerduell könnte das Frauentennis auch in den kommenden Jahren bestimmen. «Ich habe das Gefühl, dass wir uns in solch harten Kämpfen gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen», sagte Rybakina.
Showgrößen verfolgen Finale
Auch im Finale duellierten sich beide mit harten Aufschlägen und krachenden Vorhänden. Zahlreiche Promi-Fans wie Schauspieler Brad Pitt, Sängerin Pink und Paris Hilton verfolgten auf der Tribüne im größten Tennisstadion der Welt begeistert das Match.
So sehr beide derzeit auf ähnlichem Top-Niveau agieren, so unterschiedlich ist doch das Auftreten abseits des Sportlichen. Während Sabalenka gerne auffälligen Schmuck trägt, stets zu Scherzen aufgelegt ist und sich auch schon einmal mit Journalisten anlegt, scheint Rybakina der Rummel eher fremd zu sein. Mit stoischer Ruhe ließ sie auch über sich ergehen, dass zwei Mitglieder ihres Teams bei den Siegerfotos immer wieder an ihren Haaren herumzerrten.
Umstrittener Trainer als Erfolgsfaktor?
Aus diesem Team hat die frühere US-Open-Siegerin und Ex-Weltranglistenerste Lindsay Davenport den umstrittenen Trainer als wichtigen Faktor für den aktuellen Erfolg ausgemacht. «Alles hat sich für Rybakina geändert, nachdem Stefano Vukov wieder in ihr Camp durfte», sagte die Amerikanerin im Tennis Channel.
Anfang des vergangenen Jahres hatte die Profi-Organisation WTA den Kroaten wegen Verstößen gegen den Verhaltenskodex gesperrt. Einem Bericht von «The Athletic» zufolge soll Vukov seine Autorität gegenüber Rybakina missbraucht und ihr Wohlbefinden gefährdet haben.
Die Spielerin wies die Vorwürfe gegen ihren Coach zurück und erklärte, er habe sie nie missbräuchlich behandelt. Auch Vukov bestritt, gegen den Kodex verstoßen zu haben. Sein Einspruch gegen die Sperre hatte im August 2025 Erfolg. Er heuerte wieder im Team von Rybakina an.
Sabalenka: «Dann bin ich in Schwierigkeiten»
Und seitdem läuft es sportlich für die Kasachin. Ende der vorigen Saison triumphierte sie bei den WTA Finals, holte den Grand-Slam-Titel in Melbourne, gewann auch das Turnier in Stuttgart und steigt nun zur neuen Nummer eins auf. «Ich habe ein großartiges Team, großartige Menschen um mich», schwärmte Rybakina nach dem US-Open-Finale.
Am Montag werde es ein nun ein «ganz anderes Gefühl» sein, als Weltranglistenerste aufzuwachen, sagte sie. Sabalenka hatte diese Position für 99 Wochen nacheinander innegehabt. «Lasst uns einmal sehen, ob Jelena mich dabei schlagen kann», sagte die Belarussin. «Wenn sie weiter so spielt, dann bin ich in Schwierigkeiten.»

