
Vanessa Kirby spielt oscarwürdig
Man ist emotional so eng mit ihr verbunden, dass es streckenweise weh tut. Es geht um ein junges Paar, dargestellt von Vanessa Kirby und Shia Le Bouf. Sie erwarten ein Kind. Es soll eine Hausgeburt werden. Über eine lange Sequenz am Anfang des Films ist man als Zuschauer dabei. Dabei ist die Geburt so realitätsnah in Szene gesetzt, dass man das Gefühl hat bei einer echten Entbindung dabei zu sein. Es gibt Komplikationen doch das Baby kommt zur Welt. Das Glück hält nicht lange an. Kurz nach der Geburt stirbt das Baby.
Gefühlskino
Der Film zeigt, wie eine Beziehung und teils auch ein Leben an diesem Verlust kaputt gehen. Shia le Bouf spielt extrem gut. Er ist der, der Gefühle zeigt. Nach dem Verlust droht er wieder zum Alki zu werden. Sie dagegen ist anfangs eiskalt. Baut eine Fassade auf. Nichts und niemanden lässt sie in ihre Gefühlswelt schauen. Sie bricht mit Mann und Familie. Wir sehen ein stinknormales Paar in einer stinknormalen amerikanischen Wohnung, das mit einem großen Verlust klar kommen muss. Es gibt die Szene, in der das Baby geboren wird und für kurze Zeit lebt. Ich weiß nicht ob man diese Szene anders wahrnimmt wenn man selbst Kinder hat. An dieser Stelle und nicht nur an der, hat es mich echt mal kurz gerissen. Du siehst das, du bekommst einen Klos im Hals, dein Herz pocht und du hoffst dass du sowas selbst nie erleben musst. In Pieces of a Woman geht es auch um die Schuldfrage: die Hebamme landet vor Gericht. War es die Schuld der Mutter, weil sie ihr Kind unbedingt zuhause entbinden wollte? Die Thematik ist schon oft verfilmt worden. In diesem Film ist das hochemotional. Ein Film, der nachwirkt. Sehr sehr traurig und auch sehr sehr sehenswert. (Netflix)