Ski-Ass verpasst Medaille: Wieder Dürr-Drama bei Olympia

Olympische Winterspiele 2026
© Michael Kappeler/dpa

Winterspiele in Italien

Cortina d'Ampezzo (dpa) - Lena Dürr vergrub das Gesicht in den Handschuhen und konnte ihr erneutes Hundertstel-Pech bei Olympia nicht fassen. Vier Jahre nach dem Slalom-Drama von Peking hat die deutsche Skirennfahrerin auch in Cortina d'Ampezzo trotz bester Ausgangslage eine Medaille verpasst. Anders als in China fiel die Münchnerin diesmal nicht in ihrer Paradedisziplin, sondern im weniger präferierten Riesenslalom zurück - geknickt war sie dennoch. 0,19 Sekunden fehlten ihr letztlich zu Edelmetall. Stattdessen gab's nur Rang neun.

Zwischen «Stolz» und «Riesenenttäuschung»

«Unglaublich. Kurz vor dem Ziel habe ich richtig gemerkt, wie ich den Ski abgestochen habe. Da bin ich fast echt gestanden», sagte Dürr über ihren verhängnisvollen Fehler im zweiten Lauf. Zwischendurch hatte die Bestzeit aufgeleuchtet, am Ende reichte es nur gerade noch so für die Top Ten. Und das nach Platz zwei im ersten Durchgang. Sie verspüre sowohl «Stolz» als auch «Riesenenttäuschung», sagte die 34 Jahre alte Athletin vom SV Germering.

Wieder Dürr-Drama bei Olympia. Und wieder frenetischer Jubel um Italiens Comeback-Königin Federica Brignone. Die 35-Jährige raste weniger als ein Jahr nach einer schweren Schien- und Wadenbeinverletzung bereits zum zweiten Gold bei ihren Heim-Winterspielen. Nach dem Sieg im Super-G verwies sie diesmal die zeitgleichen Sara Hector aus Schweden und Thea Louise Stjernesund aus Norwegen auf den Silberrang. Das Duo verneigte sich im Zielbereich vor ihr.

Dürrs Teamkollegin Emma Aicher, die in der Abfahrt und der Team-Kombination mit Kira Weidle-Winkelmann jeweils Silber geholt hatte, fuhr auf Rang 19.

Wieder geht's um Hundertstelsekunden

Mit Blick auf den Slalom am Mittwoch wolle sie die Erkenntnis mitnehmen, dass sie zumindest wieder einen schnellen Schwung fahren könne, sagte Dürr. «Das war heute schon so ein kleiner Sieg für mich», sagte sie, nachdem sie im Weltcup in den vergangenen Wochen doch mehrfach Probleme gehabt hatte.

Den Frust über den erneut geplatzten Medaillentraum wird Dürr aber auch erst mal aus den Kleidern schütteln müssen. In Peking war sie 2022 vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen. Die 0,19 Sekunden, die ihr damals auf Gold fehlten, trennten die erfahrene Technik-Spezialistin diesmal von einer Medaille.

«Es hat so Spaß gemacht, oh Mann», sagte Dürr nach ihrem überraschend starken ersten Lauf. Eine «Genussfahrt» sei das gewesen, meinte sie bei strahlendem Sonnenschein und vor der malerischen Kulisse der Dolomiten. Im Finale war's dunkler. Und Dürr holten die Schatten der Vergangenheit ein.

Zwischenzeitlich sogar aussortiert

Seit jeher liegt der Deutschen die Rolle der Gejagten weniger als die der Jägerin. Eine Olympia-Einzelmedaille wäre vier Jahre nach Mannschafts-Silber in China der vorläufige Höhepunkt ihrer wechselhaften Karriere gewesen. Nun ruhen die Hoffnungen eben auf dem Slalom, in dem sie 2023 WM-Dritte wurde.

Bereits im Februar 2008 hatte die Tochter des früheren Skirennfahrers und zweimaligen Olympia-Teilnehmers Peter Dürr im Weltcup debütiert. Sie galt als große Hoffnungsträgerin, gesegnet mit so viel Talent. Doch sie schien dem Druck jahrelang nicht gewachsen, erlebte mehr Enttäuschungen als Erfolge und wurde zwischenzeitlich sogar aus dem Elite-Kader gestrichen. Sie schloss sich vorübergehend einem Privatteam an, musste sich um ihr Material und ihre Finanzierung selbst kümmern - auch mental eine schwierige Zeit.

Im Slalom eine der Besten der Welt

Ab dem ersten Weltcup-Podestplatz in einem Spezialslalom Ende 2021 im finnischen Levi ging es für die Deutsche aber schlagartig in die richtige Richtung. Dürr entwickelte sich zu einer der besten Slalomfahrerinnen der Welt, seit 2022 schloss sie im Torlauf jede Saison unter den besten Fünf ab.

An den Riesenslalom tastete sich Dürr erst nach und nach heran, sechs Top-Ten-Plätze stehen in der alpinen Kerndisziplin im Weltcup für sie bisher zu Buche. Ausgerechnet bei Olympia hätte sie nun fast ihr bestes Ergebnis eingefahren. Stattdessen gab's das nächste Hundertstel-Drama.

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Geknickt nach dem fehlerhaften Finale: Lena Dürr.© Michael Kappeler/dpa
Geknickt nach dem fehlerhaften Finale: Lena Dürr.
© Michael Kappeler/dpa
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Wieder Gold: Federica Brignone erlebt ein olympisches Ski-Märchen.© Michael Kappeler/dpa
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