
Schwimmen in Paris
Paris (dpa) - Isabel Gose bejubelte Gold, Doppel-Champion Florian Wellbrock ließ sich seine Laune auch vom verpassten Titel-Hattrick nicht vermiesen: Die deutschen Freiwasser-Schwimmer zeigten auch ohne die lange mögliche perfekte Ausbeute im Knockout Sprint ihre Klasse und weisen vor dem letzten EM-Rennen in Paris eine starke Bilanz vor. «Ich glaube mit drei Goldmedaillen und einer Bronzemedaille können wir so weit erstmal happy sein. Es ist ein Mega-Auftakt», sagte Wellbrock.
Seine 24 Jahre alte Teamkollegin Gose sicherte sich in der Seine ihren ersten Einzel-Titel im Freiwasser. Bei den Männern dominierte das deutsche Trio um Wellbrock die ersten Runden, schaffte es im Finale dann aber nicht ganz nach vorne.
Gose demonstriert Stärke
Nach Wirbel um die Wasserqualität und Ungewissheit bezüglich der eigenen Form siegte Gose bei strahlendem Sonnenschein und vor prächtiger Kulisse hoch überlegen. Sie verwies die Ungarin Bettina Fabian und Ginevra Taddeucci aus Italien auf die Plätze zwei und drei. «Ich bin so froh, dass ich da anknüpfen konnte, wo die Jungs aufgehört haben - und hoffentlich heute weitermachen», sagte sie da noch.
Wellbrock hatte in den vergangenen Tagen bereits Gold über zehn und fünf Kilometer gewonnen. Oliver Klemet sicherte sich auf der olympischen Distanz zudem Bronze. Diesmal reichte es für Wellbrock nur zu Platz sieben. Damit schlug der 28-Jährige unmittelbar vor seinen Teamkollegen Johannes Liebmann und Klemet an. «Es war natürlich ein bisschen anders als erhofft», sagte Wellbrock, der aber trotzdem lächelte.
Gose: Kein Öl-Geschmack im Mund
Vor den Rennen hatte es erneut Probleme mit der Sauberkeit des Wassers gegeben. Das Training am Vortag war ausgefallen, nachdem Öl oder Kraftstoff im Fluss gesichtet worden war. Bei den jüngsten Messungen wurden jedoch keine Grenzwerte überschritten. Nach einer zusätzlichen Sichtkontrolle am frühen Morgen gab es grünes Licht für die Wettkämpfe.
Öl habe sie nicht geschmeckt, sagte Gose. «Ich habe heute relativ viel Wasser geschluckt», sagte sie und ergänzte mit Blick auf ihre Gesundheit: «Positiv denken und dann passiert auch nichts.»
Weltmeisterin auch vor dem Finale vorne
Beim Knockout Sprint werden schnell aufeinanderfolgende Rennen über 1500, 1000 und 500 Meter geschwommen. Nach jeder Runde scheiden Athletinnen oder Athleten aus. «Es ist super aufregend, weil man nach jeder Strecke wieder die Spannung hochbekommen muss. Dann kommt die Nervosität wieder», schilderte Gose.
Sie siegte in ihrem Heat der ersten Runde, im Halbfinale und schwamm auch im Finale früh vorne weg. Als Schwimmerin, die vom Beckenschwimmen kommt und dort auch ihren Hauptfokus hat, mag sie körperlich hart geführte Zweikämpfe nicht. Durch ihre Taktik konnte sie diese vermeiden.
Weitere Medaillenchance in der Staffel
Das gelang ihren männlichen Teamkollegen im entscheidenden Rennen nicht. Nach den Vorläufen und den Halbfinals hatte nichts darauf hingedeutet, dass die drei Magdeburger am Ende leer ausgehen könnten. Alle drei gewannen einen Lauf und gingen favorisiert ins Finale.
«Bei den 500 Metern war ein bisschen das Problem, dass alle gefühlt übereinander hergefallen sind, keiner Platz hatte», erklärte Klemet. Bei der ersten Wende kamen er und die anderen Deutschen nicht in die erhoffte Position, wurden quasi ausgebremst.
Wellbrock sagte: «Von der Qualität war es heute glaube ich das stärkste 500 Meter Sprint-Finale, das wir jemals hatten.» Es siegte der Ungar David Betlehem vor den beiden Franzosen Marc-Antoine Olivier und Logan Fontaine.
Zum Abschluss der Wettkämpfe in der Seine hat das deutsche Team an diesem Samstag eine weitere Medaillenchance. Um 10 Uhr steht die Mixed-Staffel an (ZDF-Livestream).

