Da biste Platt - Euer Dialekt im RBRS-Land

Die Sprache, die wir sprechen, ist so viel mehr als nur ein Mittel zur Verständigung. Mit der Sprache drücken wir uns aus und anhand der Art und Weise wie wir sprechen, kann man erkennen, wo wir herkommen. Am RBRS-Thementag (22. Februar) geht es um EURE Sprache!

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Uns Sproch es Heimat - das ist nicht einfach nur ein Kölsches Karnevalsmotto. Denn Sprache macht auch einen Großteil unserer Identität aus und sie verbindet uns mit unserer Heimat. Besonders dann, wenn wir auf eine Art und Weise sprechen, wie sie nur in dieser Region üblich ist - im Dialekt. Der Dialekt bezeichnet die lokale Sprechsprache eines bestimmten Ortes, die den größten Kontrast zum Hochdeutsch darstellt. Dialekte sind eigene Sprachsysteme, sagt Sprachwissenschaftlerin Charlotte Rein (LVR):

"Dialekte sind also kein falsches Hochdeutsch, sondern jeder Dialekt hat seine eigene Grammatik, seinen eigenen Wortschatz und funktioniert als eigenes Sprachsystem"

Dialekt war lange Alltagssprache im RBRS-Land

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der der Dialekt im RBRS-Land als Alltagssprache verwendet. Dann wurde das Hochdeutsch aber immer wichtiger und hat Schritt für Schritt den Dialekt zurückgedrängt. Schuld daran sind auch die Medien, also das Radio und das Fernsehen, weil sich dadurch das Hochdeutsche viel mehr verbreitet hat. Dadurch hatten viele Dialektsprechende das Gefühl, dass der Dialekt die schlechtere Sprachform ist und haben sich bemüht, Hochdeutsch zu sprechen. Das hatte zur Folge, dass die Kinder nicht mehr im Dialekt erzogen wurde und dass aktuell vor allem ältere Menschen noch richtig Dialekt sprechen können.

Dialekt vs. Regiolekt

Wesentlich verbreiteter ist der sogenannte Regiolekt. Das heißt, wir sprechen Hochdeutsch und bauen in unsere Sprechsprache typische Wörter oder Laute aus dem Dialekt ein. Ein sehr markantes Merkmal für den Regiolekt von hier ist das "cht" - etwa in "Spocht" oder "Gachten" - oder auch das etwas genuschelte "sch". Der größte Unterschied zwischen Dialekt und Regiolekt ist eigentlich, dass man sich mit dem Dialekt oft wirklich nur innerhalb eines Ortes verständigen kann und dass der Regiolekt fast überall verstanden wird. Eins noch zum Thema "einzelne Wörter" - gerade im RBRS-Land haben wir für ein und dieselbe Sache verschiedene Wörter. Ein sehr populäres Beispiel ist die Bezeichnung für "Kesselkuchen" (ein traditionelles Kartoffelgericht): Im Zentrum von Bonn nennt man ihn Kesselkooche und Döppekooche, im Norden eher Diejels- oder Kesselsknall und im Süden, also Richtung Bad Godesberg ist der Knüles bekannt. Warum ist das so? Ganz einfach: Bönnsch ist nicht gleich Bönnsch, denn die Stadt besteht eigentlich aus vielen Dörfern, in denen sich verschiedene Dialektformen gebildet haben. Als Bonn zusammengelegt wurde, sind diese Formen einfach übriggeblieben.

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Dialekt-Revival im Rheinland?

Und obwohl wir eher Regio- als Dialekt sprechen, ist der Dialekt im Rheinland noch präsenter als in anderen Regionen. Ein Grund: Karneval. Weil die Mundart ganz eng mit dem Karneval verknüpft ist, spielt der Dialekt bei uns immer noch eine wichtige Rolle. Und er verbindet die Menschen, steckt sozusagen an. Viele Zugezogene übernehmen Redewendungen oder feiern Tassen und Postkarten mit Kölschen Sprüchen. Einige lernen sogar Kölsch - das geht zum Beispiel an der "Akademie för uns kölsche Sproch" in Köln. RBRS-Reporterin Wiebke Dumpe kommt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet und spricht natürlich ein bisschen anders als jemand, der im Rheinland aufgewachsen ist. Sie würde aber gerne zumindest die Grundlagen des Dialekts können. Dafür hat sie sich Hilfe geholt vom Bonner Uli Schreckt. Der ist jedes Jahr bei RBRS in der Karnevalssendung zu hören und hat sein Wissen mit ihr geteilt: 

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Dialekte auch in der Gebärdensprache

Bei "Sprache" denken viele Menschen an die Lautsprache - also das mit Stimme gesprochene Wort. Aber auch Menschen, die nicht hören können, haben eine eigene Sprache, die Gebärdensprache. Und die ist nicht nur von Land zu Land verschieden, die Gebärdensprache kann sogar Dialekte abbilden. Die Kölner Gebärdensprachdolmetscherin Aline Ackers gebärdet ganze Karnevalssitzungen und sogar Kölsche Lieder im Dialekt. Dabei übersetzt sie sowohl den Text als auch die musikalischen Elemente. Sie zeigt den Takt an und auch, in welche Richtung zum Beispiel geschunkelt wird.


© Ludolf Dahmen / LVR
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RBRS-Reporterin Wiebke Dumpe hat sich ausführlich mit Aline Ackers übers Gebärdensprachdolmetschen und das Gebärden von Dialekten unterhalten. Das Interview gibt es hier zum Nachhören:

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