Im neuen Saarland-Krimi erste «wirklich erwachsene Rolle»
Veröffentlicht: Donnerstag, 30.04.2026 04:53

Neue Krimireihe mit Aram Arami
Saarbrücken (dpa) - Bretagne, Irland, Usedom oder auch Zürich – und jetzt neu aus dem Saarland: Der «DonnerstagsKrimi im Ersten» ist eine TV-Tradition und erzählt Geschichten aus verschiedensten Gegenden. Im Mittelpunkt des ersten Saarland-Krimis stehen die zwei neuen Ermittler Tayfun Can und Elisa Santori als traumatisierte Personen. Der Film «Der Saarland-Krimi: Bruder, Liebe, Tod» ist am 30. April im Ersten zu sehen (ab 27.4. in der ARD-Mediathek).
«Ich spiele einen ehemaligen Polizisten, der durch einen tragischen Vorfall im Dienst beschlossen hat, auszusteigen», sagt der Schauspieler Aram Arami. Er wurde 1993 im Irak geboren, in der Autonomen Region Kurdistan, und kam als Kleinkind mit seinen flüchtenden Eltern nach Deutschland.
Hier war er im Kino und im TV in bekannten Filmreihen wie «Fack ju Göhte» oder «Die Drei von der Müllabfuhr» zu sehen - jetzt folgt die Hauptrolle in einer Krimireihe.
Figur Tayfun Can hat ein «Helfersyndrom»
Das sei vielleicht sogar die Rolle in seiner Karriere, die am meisten Tiefgang habe, sagt Arami (32) der Deutschen Presse-Agentur. «Sie hat sehr, sehr viele Ebenen, und Tayfun hat auch selbst viele Baustellen, mit denen er sich eigentlich befassen müsste, aber versucht das zu umgehen, indem er anderen hilft.» Sein Tayfun habe ein «Helfersyndrom». «Ich glaube, jeder von uns hat so eine kleine Ader, was das Helfen angeht. Die ist bei mir natürlich auch da, aber bei Tayfun ist sie schon wirklich sehr ausgeprägt.»
Bei der Polizei habe seine Figur das Gefühl entwickelt, immer zu spät dran zu sein. «Er kommt immer dann erst, wenn es viel zu spät ist, und er muss dann Leute ins Gefängnis stecken und kann nicht wirklich helfen.» Schließlich komme es zu dem tragischen Vorfall, nach dem er beschließe auszusteigen.
In seinem Restaurant gebe er dann Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten und auf Bewährung sind, Arbeit. «Und als Bewährungshelfer steht er ihnen beiseite und versucht, sie wieder auf den geraden Weg zu führen.»
Aram Arami: «Jetzt ist es mal ernst und wirklich erwachsen»
Arami betont: «Die Rolle ist spannend. Zumal das auch die erste wirklich erwachsene Rolle ist, die ich spiele, weil vorher war das natürlich immer auch irgendwo erwachsen, aber immer verspielt und ein bisschen sympathisch und lustig. Und jetzt ist es mal ernst und wirklich erwachsen.»
Damit erfülle er auch die eigenen Erwartungen an sich selbst, wie er sagt: «Als Schauspieler habe ich wirklich den Anspruch zu sagen, ich möchte mich auch weiterentwickeln und ich möchte auch zeigen, dass ich mehr kann und auch mehr spielen kann als das, was bisher immer erfolgreich war. Und hier hatte ich halt wirklich die Gelegenheit, das zu zeigen und habe dann natürlich auch dementsprechend 150 Prozent gegeben.»
Filmfigur Tayfun betreut straffällige Jugendliche
Im Film fällt ein junger Mann, sichtlich verwirrt, von einem Dach in die Tiefe - zurück bleiben zwei Menschen, die ihm helfen wollten, und die nun traumatisiert sind. Es sind Kriminalhauptkommissarin Elisa Santori (Olga von Luckwald) und ihr Kollege Tayfun Can (Arami). Während Elisa weiterhin versucht, in ihrem Job zu bestehen, quittiert Tayfun den Polizeidienst und widmet sich der Sozialarbeit - er betreut straffällige Jugendliche in dem gastronomischen Projekt namens «Kleine Freiheit», wo sie als Köche und Kellner arbeiten.
Doch als Taifuns jüngerer Bruder Momo (Doguhan Kabadayi) und seine neue Freundin Nora Winter (Sarah Mahita) in einen Mordfall verwickelt zu sein scheinen, schnüffelt Tayfun erst heimlich herum und arbeitet dann doch mit seiner Ex-Kollegin zusammen.
Zunächst hegen sie den Verdacht, dass die Mafia dahinterstecken könnte, doch dann treten ganz andere Motive wie Geschwisterliebe, Eifersucht und Vertrauen in den Vordergrund.
Sehenswerte Drehorte im Saarland
Regisseurin Janis Rebecca Rattenni (Münster-«Tatort: Man stirbt nur zweimal» von 2024) und Autor Mathias Schnelting («Helen Dorn») liefern einen ordentlichen Einstandskrimi ab - bei Figurenentwicklung und Dialogen ist noch Luft nach oben.
Am meisten bestechen die sehenswerten Drehorte wie der Osthafen in Saarbrücken oder ehemalige Fabrikhallen mit alten Zügen darin. In einem umgebauten Waggon darf Tayfun sogar wohnen - er steht praktischerweise direkt neben dem Restaurant, in dem er ja eigentlich arbeitet.
Arami ist hier als bodygestylter Mann zu sehen, in dem natürlich immer noch ein Polizist steckt, was er auch durch körperlichen Einsatz zeigen darf. Von seiner Arbeit als Sozialarbeiter dürfte gern mehr zu sehen sein.
Dem Spiel von Olga von Luckwald (34) ist anzumerken, dass auch ihre Figur versucht, ihr Trauma zu bewältigen - und dass die Ermittlerin mit ihrem Kollegen vielleicht mehr verbindet als nur die gemeinsame Arbeit. Es bleibt also spannend, wie es mit den beiden weitergeht.



