Noch ein Revival: US-Sitcom «Malcolm mittendrin» geht weiter
Veröffentlicht: Freitag, 10.04.2026 08:00

Ab heute im Streaming
Berlin (dpa) - Es wirkt fast so, als blättere das Fernsehen in der eigenen Vergangenheit: In letzter Zeit kehren erfolgreiche Serien aus den 1990er- und 2000er-Jahren als Reboots, Revivals oder Fortsetzungen in auffälliger Dichte zurück. Zuletzt ging die Neuauflage der Arzt-Sitcom «Scrubs» online und auch an einem Revival von «Baywatch» um die trainierten Rettungsschwimmer in ihren roten Badeoutfits wird gerade gearbeitet. Nostalgie verkauft sich gut.
Da kam die Ankündigung eines Comebacks von «Malcolm mittendrin» von Disney+ kaum mehr überraschend. Die zwischen 2000 und 2006 ausgestrahlte US-Serie war ein Hit, gelacht hat damals wohl jeder über den chaotischen Alltag der Familie um Malcolm (Frankie Muniz), seine Eltern Lois (Jane Kaczmarek) und Hal (Bryan Cranston) sowie Malcolms (damals noch) vier unbändige Brüder.
Als «Malcolm mittendrin» in der Jahrtausendwende startete, wirkte die Serie wie ein Gegenentwurf zu geschniegelt wirkenden Familienformaten. Statt Vorstadtidylle zeigte sie den Alltag einer überforderten, oft lautstarken und zugleich erstaunlich liebevollen Familie – erzählt aus der Perspektive des hochbegabten Malcolm, der sich regelmäßig direkt an die Zuschauer wandte.
Mit ihrem schnellen und ulkigen Humor stellte die Serie gekonnt den sogenannten «American Dream» durch die chaotische, untere Mittelschichtfamilie parodistisch dar. Statt Aufstieg durch harte Arbeit kämpften die Eltern Lois und Hal täglich ums finanzielle Überleben. Hinzu kam der turbulente und laute Familienalltag. All das machte die Serie so beliebt.
Neuauflage setzt Jahre nach dem Original-Finale an
Nach sieben Staffeln war dann aber 2006 Schluss. Schlechte Quoten zwangen die Macher zur Absetzung. 20 Jahre später sind Malcolm und seine Familie wieder zurück – mit vier neuen Folgen sowie bekannten, aber auch neuen Gesichtern. Seit Freitag ist das Revival bei Disney+ zu sehen. Wer wieder einsteigen möchte, findet dort auch die 151 Folgen der ersten sieben Staffeln.
Die neuen Folgen setzen Jahre nach dem Original-Finale an. Einiges hat sich verändert: Malcolm ist erwachsen, in seinem Job erfolgreich und inzwischen (alleinerziehender) Vater. Mit seiner Teenie-Tochter Leah (Keeley Karsten) wohnt er weit weg von seiner Familie. Von ihr hat er sich und seine Tochter in den vergangenen Jahren komplett abgeschirmt – aus Selbstschutz.
Doch das ändert sich. Denn es steht der 40. Hochzeitstag von Lois und Hal an. Und die beiden wollen die ganze – ja, die ganze – Familie bei der großen Party dabeihaben. Das große Familientreffen verspricht den typischen Malcolm-Wahnsinn. Doch nicht nur die Chaos-Party selbst verspricht den typischen Malcolm-Wahnsinn, sondern auch alles, was unausweichlich auf sie zuläuft.
Für Fans der Serie bietet das Revival ein Wiedersehen mit dem alten Cast: Frankie Muniz als Malcolm, Jane Kaczmarek als Lois und Bryan Cranston als Hal sind wieder dabei. Auch Malcolms Brüder Francis (Christopher Masterson), Reese (Justin Berfield) und Dewey, dessen Rolle aber zum Leidwesen der Fans neu besetzt wurde. Statt von Erik Per Sullivan, der sich vor Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, wird er von Caleb Ellsworth-Clark gespielt.
Braucht man das Revival?
Auf dem Papier liest sich das erst einmal alles gut – aber ist das Revival geglückt? Die Antwort ist: Jein. Für eingefleischte Fans von «Malcolm mittendrin» sind die vier neuen Folgen ein Muss. Allein den alten Cast 20 Jahre später zu sehen lohnt sich schon. Außerdem kann man beim Schauen des Revivals in alten Malcolm-Erinnerungen schwelgen und auch lachen.
Malcolm wendet sich noch immer direkt mit dem Blick in die Kamera an die Zuschauer, seine Tochter Leah nun übrigens auch. Lois – noch immer resolut und jähzornig – und Hal – noch immer tollpatschig und exzentrisch – haben sich bis auf ihr Äußeres kaum verändert. Und die Brüder Francis und Reese treiben weiter ihr Unwesen. Das Rezept, mit dem die Serie damals ihre Zuschauer begeisterte, geht in dieser Hinsicht also auch heute noch grundsätzlich auf.
Manchmal wirken aber die Witze und lustigen Szenen flach und albern. Vielleicht waren sie es auch in dem Original vor 20 Jahren schon. Der platte Humor funktioniert aber möglicherweise heute nicht mehr so wie damals noch.
Mit neuen Figuren wie Leah, Kelly (Vaughan Murrae) – das jüngste Kind von Hal und Lois – und Malcolms Freundin Tristan (Kiana Madeira) versuchen die Macher des Revivals, nicht nur auf Nostalgie zu setzen, sondern die Geschichte weiterzuentwickeln. Das gelingt mit Leah, wirkt ansonsten aber recht erzwungen, dem zweiten Leben der Serie irgendwie mehr Sinn zu geben. Nostalgiker kommen ohne Zweifel auf ihre Kosten, aber das war es dann auch.
Wahrscheinlich bleibt es aber auch bei den vier Folgen. Es dürfte schwierig sein, alle Stars der Serie ein weiteres Mal gemeinsam für längere Zeit vor die Kamera zu bekommen. Immerhin ist Cranston nach «Breaking Bad» inzwischen ein Hollywood-A-Lister. Auch Muniz dürfte anderweitig beschäftigt sein: Er ist nun als professioneller Rennfahrer tätig und vertreibt mit seiner Frau Olivenöl.



