So ist Corinna Harfouchs letzter Einsatz im Berlin-«Tatort»
Veröffentlicht: Samstag, 31.01.2026 07:00

Fernsehen
Berlin (dpa) - Dass Corinna Harfouch mit dem Berliner «Tatort» nicht alt werden möchte, war schon bekannt. Ganz so leicht fällt ihrer Rolle Susanne Bonard der Abschied vom Ermittler-Team aber nicht. Lange scheint es im neuen Fall «Gefahrengebiet» sogar so zu sein, als müsse Kollege Robert Karow (Mark Waschke) alleine ermitteln, während Bonard in eine kleine Sinnkrise stürzt.
Harfouch (71) verabschiedet sich mit der Ausstrahlung des Hauptstadt-Krimis am Sonntagabend um 20.15 Uhr im Ersten von ihrer Rolle als «Tatort»-Kommissarin, die sie sechs Folgen lang gespielt hat. In der neuen Episode steht Bonards Ruhestand kurz bevor.
Eine Wölfin und ein Überlebenstraining in der Berliner «Wildnis»
Davor zieht es die Mordermittler aber zunächst an den grünen Stadtrand Berlins in den Grunewald, denn dort wurde ein Obdachloser mit Bissspuren tot aufgefunden. Während sich eine Augenzeugin sicher ist, eine freilaufende Wölfin am Tatort gesehen zu haben, bleibt Kommissar Karow skeptisch. War tatsächlich ein Tier Schuld am Tod des Mannes?
Bonard hingegen wirkt in ihrer letzten Arbeitswoche gedankenverloren. Als das Duo im Wald auf ein Überlebenstraining stößt, schließt sich die Ermittlerin kurzerhand der Wildnislehrerin (Anne Ratte-Polle) an, ohne Handy und Dienstwaffe.
«Sekt und Schnittchen, das ist nichts für mich»
Zur Fassungslosigkeit ihres Kollegen - schließlich hänge die Survivaltour offensichtlich nicht mit dem Tatort zusammen. Karow: «Sie wollen doch nicht etwa zurück zu denen, oder?». Bonard: «Sekt und Schnittchen, das ist nichts für mich». Den Fall löse er auch ohne sie.
Ganz so einfach ist es letztlich nicht. Denn der Tod des Obdachlosen entpuppt sich als Mord. Bonard und Karow lernen unabhängig voneinander die Welt von Preppern kennen, die sich auf allerlei Katastrophen vorbereiten, darunter der Wanderer Noah Farrell (Nils Kahnwald).
Persönliche Entwicklung der Kommissare sticht hervor
«Gefahrengebiet» von Mira Thiel (Drehbuch und Regie) stellt die persönliche Entwicklung der Kommissare mehr in den Vordergrund als den eigentlichen Mordfall. Atmosphärisch erzählt der Krimi von Gegensätzen: Während sich der sonst so schroffe Karow von einer verletzlichen Seite zeigt und (vergnügliche) Ablenkung in der Großstadt sucht, hinterfragt Bonard in der ruhigen Natur ihr Berufsleben.
Allerdings schwächt der Fokus auf das Private die Spannung des Falls stellenweise ab. Einige Szenen wirken langatmig, etwa die Ausflüge in die «Wildnis». Wer auf klassische Krimi-Spannung hofft, sollte sich dieses Mal eher auf introspektive Momente einstellen.
Wie geht es weiter mit den Berliner «Tatort»-Ermittlern?
Wie bereits die Vorgänger greift der Berliner «Tatort» erneut politische und gesellschaftliche Themen auf. Welches Verhältnis haben Mensch und Natur? Wie sollte man sich auf einen Katastrophenfall vorbereiten – und ist Deutschland dafür gewappnet? Gerade nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar wirken diese Fragen besonders aktuell.
Und noch eine Frage stellt sich mit Blick auf die Zukunft des «Tatorts» in der Hauptstadt: Wie geht es weiter? Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hatte mit Harfouch insgesamt sechs «Tatort»-Episoden vereinbart.
Das war auch der Schauspielerin klar, wie sie mal der «Augsburger Allgemeinen» sagte: «Es wäre ja auch absurd, wenn ich mit 75 immer noch "Tatort"-Kommissarin wäre und im Rollstuhl die Verbrecher jage». Wer ihre Nachfolge übernimmt, steht bislang nicht fest. Klar ist, dass Waschke als Karow einen Fall solo ermitteln soll.





