Spinnenseide - das Material der Zukunft?

Ob Spinnen schön sind oder nicht - darüber lässt sich ja streiten. Fakt ist aber: Ihr Faden, also die sogenannte Spinnenseide, könnte in der Medizin bald eine große Rolle spielen. An der Bonner Uniklinik werden im Bereich Orthopädie auf Basis der Spinnenfäden Knorpel und Knochen nachgezüchtet.


© Karl-Heinz Romann

Knorpel und Knochen können zwar auch jetzt schon in Laboren nachgezüchtet werden, häufig lassen sie sich dann aber nicht so gut in den Körper einfügen. Die Spinnenseide bringt Eigenschaften mit, die dafür bessere Bedingungen schaffen. Durch ihre Struktur dockt sie besonders gut am Gewebe an. Sie ist reißfester als Stahl, sehr hitzefest, kann steril gemacht werden und ist antibakteriell, was fürs Einsetzen in den menschlichen Körper sehr wichtig ist. Um den Knorpel oder Knochen zu züchten, werden menschliche Stammzellen auf das Spinnenseide-Gerüst aufgetragen. Drum herum wächst dann der Knorpel oder Knochen. Ziel ist es, dass Spinnenseide als Grundlage bald in der Klinik zum Einsatz kommt.

Spinnen werden gemolken

© Sebastian Manickham, Tierpark+ Fossilium Bochum
© Sebastian Manickham, Tierpark+ Fossilium Bochum

Angestoßen wurde das Projekt von Anna Bartz. Sie schreibt ihre Doktorarbeit an der Orthopädie der Uniklinik Bonn. Um an die Seide der Spinnen zu gelangen, muss Anna Bartz sie "melken". Dafür werden die Spinnen auf den Rücken gedreht. Dann zieht Bartz mit einer Pinzette einen Faden aus dem Hinterleib der Spinne und legt ihn auf eine selbst entwickelte Spule. 20 Minuten lang kann der Prozess durchgeführt werden, dabei entstehen rund 500 Meter Faden. Was auf den ersten Blick sehr skurril wirkt, ist eigentlich ein recht natürlicher Prozess und laut Anna Bartz werden die Spinnen dabei auch nicht gequält, denn das Fadenspinnen ist ein ganz natürlicher Prozess. Dafür kooperiert Bartz mit dem Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf und dem Tierpark und Fossilium Bochum, wo die Spinnen leben.

Weitere Forschung nötig

"In den letzten Jahren wurde viel Forschung im Bereich der Technik betrieben, was noch fehlt ist aber ein biologischer Knochenersatz - und genau da setzen wir an", erklärt Anna Bartz. Damit das Forschungsprojekt weiterlaufen kann, ist es auf Spenden angewiesen. Per Crowdfunding sollen nun die Kosten für das Labor und die Materialien gedeckt werden. Hier geht's zum Crowdfunding