Lungenkrebsscreening für Raucher: Ist das etwas für mich?

Eine Frau liegt in einem CT-Gerät im Universitätsklinikum Jena
© Martin Schutt/dpa/dpa-tmn

Früherkennung

Berlin (dpa/tmn) - Wer die Diagnose Lungenkrebs bekommt, hat in den meisten Fällen eine Raucherkarriere hinter sich. Etwa 80 bis 90 Prozent der Patientinnen und Patienten haben die Krankheit durch das Rauchen bekommen, heißt es vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). 

Lungenkrebs wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, wenn er sich etwa durch Husten (auch mit blutigem Auswurf), Atemnot, Brustschmerzen und Gewichtsverlust bemerkbar macht. Je früher man der Erkrankung auf die Spur kommt, desto besser stehen die Heilungs- und Überlebenschancen. 

Mit dem 1. April gibt es nun eine Neuerung für starke Raucherinnen und Raucher. Sie haben alle 12 Monate Anspruch auf Lungenkrebsscreening - und zwar auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse. Bei einem sogenannten Niedrigdosis-CT werden mithilfe von Röntgenstrahlen Schnittbilder der Lunge erstellt und auf Auffälligkeiten untersucht. 

1. Habe ich überhaupt Anspruch auf die Untersuchung? 

Nicht jeder, der regelmäßig zur Zigarette greift, kann die Früherkennung auf Kassenkosten in Anspruch nehmen. Als Voraussetzungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) festgelegt: 

  • ein Alter zwischen 50 und 75 Jahren
  • ein starker Zigarettenkonsum, genauer: mindestens 25 Jahre mit einem Konsum von mindestens 15 Packungsjahren 
  • Hat man mit dem Rauchen bereits aufgehört, muss das vor weniger als 10 Jahren passiert sein

Um die Packungsjahre herauszufinden, multipliziert man zwei Werte: 

  • die Anzahl der Jahre, die man insgesamt geraucht hat
  • die Anzahl der Packungen, die man dabei im Durchschnitt pro Tag geraucht hat (Annahme: eine Packung = 20 Zigaretten) 

Beispiel: Wer 30 Jahre lang im Durchschnitt eine halbe Packung (10 Zigaretten) täglich geraucht hat, kommt auf 15 Packungsjahre - und hat Anspruch auf die Untersuchung. 

2. Möchte ich diese Untersuchung überhaupt? 

Die Teilnahme am Lungenkrebsscreening ist freiwillig. Wer sich dagegen entscheidet und eines Tages doch die Diagnose Lungenkrebs bekommt, muss nicht befürchten, dass die Kasse die Behandlungskosten dann nicht übernimmt, heißt es in einer Versicherteninformation des G-BA. 

«Raucherinnen und Raucher sollten sich genau über die Vor- und Nachteile des Screenings informieren», rät Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am DKFZ. Ein knapper Überblick: 

  • Als wichtigen Vorteil nennt der G-BA bessere Heilungschancen. Und: Durch frühes Erkennen und Behandeln des Tumors sinkt das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben. 
  • Ein Nachteil ist, dass es falsch-positive Befunde geben kann. Heißt: Es werden Auffälligkeiten gefunden, die sich nach weiteren Untersuchungen nicht als Lungenkrebs bestätigen. Außerdem kann es passieren, dass Tumore diagnostiziert und behandelt werden, die möglicherweise nie Probleme bereitet hätten. Weiterer Nachteil kann die Strahlenbelastung sein. 

Interessierte müssen also abwägen. In der G-BA-Versicherteninformation ist eine Tabelle zu finden, die ihnen dabei helfen kann. Ebenfalls sinnvoll auf dem Weg zu einer Antwort: das Gespräch mit Hausarzt oder Hausärztin. 

3. Wie komme ich an so eine Untersuchung ran? 

Wer sich für ein Lungenkrebsscreening interessiert, spricht am besten seinen Hausarzt oder seine Hausärztin darauf an. Er oder sie kann klären, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Ist das der Fall, bekommt man eine Überweisung in die Radiologie. 

Womöglich ist dann noch etwas Geduld gefragt. Susanne Weg-Remers vom DKFZ, geht davon aus, dass es noch etwas dauern könnte, bis die Untersuchungen in ganz Deutschland wahrgenommen werden können. 

Der Grund: «Die Ärztinnen und Ärzte müssen sich erst für das neue Programm qualifizieren.» Radiologinnen und Radiologen benötigen eine spezielle Fortbildung und sie müssen ihre Qualifikation nachweisen, ehe sie grünes Licht von der Kassenärztlichen Vereinigung bekommen. 

Übrigens: Ein Lungenkrebsscreening hilft zwar dabei, Tumore früher aufzuspüren, schützt aber nicht vor der Krankheit an sich. Wichtigster Schritt, um das eigene Lungenkrebsrisiko zu senken, ist daher ein konsequenter Rauchstopp.

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